Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

02FEB2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich bin ganz ehrlich: Bei uns im Wohnzimmer hängt noch die Weihnachtsdekoration. Die Krippe hab ich erst vor ein paar Tagen abgebaut. Ich bin bisher nicht dazugekommen und irgendwie wollte ich es wohl auch noch nicht ganz wegpacken, dieses Weihnachtsgefühl.

Ich glaube, damit bin ich nicht allein. Denn traditionell ging die Weihnachtszeit bis heute - bis zum Fest Lichtmess. Solange blieb früher auch der Weihnachtsbaum aufgebaut. Das hat sich mit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 1960er Jahren dann geändert, inzwischen endet die Weihnachtszeit nach Dreikönig.

Auch wenn ich es nicht bewusst deshalb gemacht habe – ich mag, dass in der alten Tradition Weihnachten nachwirken darf. Denn dieses Funkeln und Leuchten im Advent und der Weihnachtszeit liebe ich besonders im Winter.

Das heutige Fest Mariä Lichtmess erinnert genau daran. Denn heute werden in den katholischen Kirchen traditionell die Kerzen gesegnet, die in diesem Jahr dort brennen werden. Auch wenn die Weihnachtszeit vorbei ist, sollen Kerzen das ganze Jahr an das Leuchten von Weihnachten erinnern. Daran, dass Jesus das Licht der Welt ist. Und dass wir alle Licht füreinander sein können.

Diese Symbolik finde ich richtig schön - denn Zeiten, in denen wir ein Licht brauchen können, gibt es schließlich das ganze Jahr über. Manchmal kann das tatsächlich eine Kerze sein. Meine Mutter hat früher immer ein Licht für uns Kinder angezündet, wenn wir eine Prüfung geschrieben haben. Oder wenn jemand eine Operation hatte oder sehr krank war. Nicht die Kerze selbst verändert dabei etwas. Sondern, dass jemand an mich denkt, jemand ein Licht für mich anzündet, das kann Kraft geben.

Meine Kinder lieben es, in der Kirche eine Kerze für Oma und Opa anzuzünden und ein kurzes Gebet zu Gott zu schicken. Es ist noch nicht so lange her, dass die Großeltern gestorben sind. An die Menschen zu denken, die uns besonders am Herzen liegen, kann ein warmes Erinnerungsleuchten in uns anzünden.

Einen dunklen Tag heller machen, das kann auch ein aufmunterndes Lächeln; oder jemand der zuhört, der mir das Gefühl gibt, gesehen zu werden mit dem, was mich gerade beschäftigt. Das heutige Fest Lichtmess erinnert mich daran: Licht für andere können wir dadurch sein, dass wir uns umeinander sorgen und füreinander da sind. Dass wir in dunklen Zeiten von unserer Hoffnung erzählen und uns für andere einsetzen, die dringend ein Licht brauchen können.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43784
weiterlesen...