SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
„So wie es ist, kann es nicht bleiben.“ Davon ist Svenja Stumpf überzeugt, als sie 2019 beschließt, sich im Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland einzubringen. Als eine von 15 jungen Leuten beim sogenannten Synodalen Weg hat sie mitdiskutiert und entschieden, was sich dringend ändern muss. Alles auf dem Hintergrund der bohrenden Frage: Was hat dazu geführt, dass die unzähligen Fälle sexualisierter Gewalt in der Kirche möglich waren? Warum wurden Betroffene nicht geschützt und Täter über lange Zeit gedeckt?
Gestern ist dieser Reformweg in Stuttgart zu Ende gegangen. Mehr als 200 Menschen waren daran beteiligt – Bischöfe und Laien, also nicht geweihte Gläubige, die gemeinsam über Themen wie Macht und Sexualmoral, Gleichberechtigung und Zölibat gesprochen haben. Ganz besonders beeindruckt haben mich die jungen Synodalen, die alle zwischen 16 und 30 Jahre alt waren.
Diese jungen Menschen haben sich Problemen gestellt, die sehr viel älter als sie selbst sind. Sie haben sich eingesetzt, weil für sie klar war, dass es so nicht weitergehen darf. In einer Versammlung voller Bischöfe, Theologieprofessorinnen und langjährig Engagierten haben sie ihre Stimmen erhoben und mutig von dem erzählt, was sie in der Kirche erlebt haben, was sie verletzt und enttäuscht hat und von dem, was ihnen Hoffnung gibt. Und genau das hat viele bewegt.
Svenja ist in der katholischen Jugendarbeit groß geworden und hat dort erfahren: Wenn ich will, dass sich was ändert, dann muss ich mich einbringen. Das hat sie intensiv versucht und dabei viele Höhen und Tiefen erlebt – wie der fehlende Wille mancher, etwas zu verändern oder die Ablehnung eines wichtigen Grundsatztextes zur Sexualmoral. Für Svenja war das ein Tiefpunkt.
Warum hat sie trotzdem weitergemacht, obwohl es sich oft ganz schön aussichtslos angefühlt hat? Svenja sagt: „Was mich getragen hat, war die Gemeinschaft unter den jungen Synodalen. Dieses Gefühl, dass wir gemeinsam versuchen, etwas zu bewegen. Dass wir gespürt haben, wir sind nicht allein, es sind viele, die sich für diese Veränderungen einsetzen.“
Ihre Hoffnung hat sich dabei verändert. Früher hat sie darauf gehofft, dass die Bischöfe etwas ändern. Jetzt glaubt sie daran, dass die Veränderung von unten kommen muss, von denen, die vor Ort neue Formen von Kirche ausprobieren und leben.
Svenja und die jungen Synodalen haben mir immer wieder gezeigt, was es heißt, nicht aufzugeben, auch wenn es schwierig wird. Nicht auf andere zu warten, sondern selbst aktiv zu werden, wo wir das Gefühl haben: So wie es grade läuft, tut es mir und anderen nicht gut. Das kann in der Kirche sein, aber genauso im Beruf, in der Familie oder in der Gesellschaft. Auch wenn es manchmal ganz schön anstrengend ist- es braucht Menschen, die anfangen, damit sich etwas verändern kann.
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