SWR1 3vor8

01FEB2026
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Es ist noch früh heute Morgen, aber ich mute Ihnen dennoch direkt ein Fremdwort zu: „makarios“. Makarios ist griechisch und heißt übersetzt „selig“. Und wer heute einen katholischen Gottesdienst mitfeiert, wird dieses Wort in den so genannten Seligpreisungen ganz oft hören. Da heißt es zum Beispiel: „Selig sind, die Frieden stiften“ oder „Selig die Trauernden“ (Mt 5,1-12a).

Makarios bedeutet aber nicht einfach nur „selig“. Es ist viel mehr und meint eigentlich eine Seligkeit, die alles umfasst. „Makarios“, „selig“ bin ich, wenn alles einfach passt. Wenn es nichts mehr auszusetzen gibt. Wenn ich aus tiefstem Herzen zufrieden bin, unabhängig davon, wie meine Lebenssituation gerade ist. Selig sein – das gehört ganz eng zu der Vorstellung, wie es bei Gott sein soll.

Bei der katholischen Theologin Annette Jantzen[1] habe ich etwas ganz Interessantes gelesen. Es gehört in die Kategorie „Spezialwissen“. Sie schreibt, dass das Wort „makarios“ in der Bibel außer in den Seligpreisungen nur noch in der Szene vorkommt, in der sich Maria über ihre Schwangerschaft freut. Maria sagt da über sich selbst: „von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ (Lk 1,48)

Selig sein, bedeutet doch dann: in Maria, aber auch in mir und in allen Menschen steckt ein göttlicher Kern, der wachsen und geboren werden wird. Wie ein Kind. Das kann ich nicht selbst machen, sondern ist ein Geschenk. Ein Versprechen, dass Gottes Seligkeit grenzenlos ist und dass es in mir passiert, ohne dass ich dafür etwas tun muss.

Das im Hinterkopf, lese ich die Seligpreisungen nochmal anders. Gerade den Menschen, die leiden, traurig, arm, verfolgt oder einsam sind, ist Gottes Nähe zugesagt. Gerade mitten in der schweren Lebenssituation findet Gott mich. Dann wächst Gottes Nähe in mir, nicht immer spürbar, aber einfach präsent.

Diese Präsenz Gottes in meinem Leben ist so schwer und gleichzeitig so schön zu glauben. Vielleicht kann ich es mir immer wieder bewusst machen, wenn ich glückselige Momente erlebe, wenn ich ein bisschen „makarios“ bin: Ja, Gott ist tatsächlich in mir.

 

[1]4. Sonntag im Jahreskreis A // zum Evangelium | Gotteswort, weiblich (aufgerufen am 21.01.2026)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43782
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