Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

05FEB2026
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Es ist wieder mal jede Menge los. Zu viel los und eigentlich müsste alles gleichzeitig bedacht und getan werden. Ein riesiger Berg, der sich da vor mir auftürmt. Er scheint unbesiegbar.

Unbesiegbar und riesig – so wird auch Goliat in der Bibel beschrieben. Der Riese, der vierzig Tage lang morgens und abends herumbrüllt und die Israeliten zum Zweikampf auffordert. Und dann taucht David auf. Der kleine Hirtenjunge. Ihn hatte niemand auf dem Schirm. Wie auch. Zu jung, zu unerfahren, zu klein und zu schwach. Und doch ist er es, der sich Goliat stellt und ihn am Ende nur mit einer Steinschleuder besiegt.

Schon als Kind mochte ich die Geschichte, und dass es da um Krieg und Gewalt geht, habe ich damals gar nicht so sehr bemerkt. Für mich zählte Davids Mut, und dass ein Schwacher einen Stärkeren besiegen kann.

Wenn ich heute die Geschichte lese, dann fasziniert mich an David vor allem, wie er in der Situation handelt. Ich mag, dass er angesichts der Größe von Goliat nicht wie alle anderen vor Angst in Schockstarre verfällt, sondern dass er sich der Situation stellt. Auch wenn es so nicht geplant war. Eigentlich sollte David nur zu seinen Brüdern gehen und schauen, ob es ihnen gut geht, nicht kämpfen. Aber an der Front angekommen merkt David irgendwie: Hier bin ich gefragt. Jetzt muss ich ran. Für mich heißt das: David schafft es in der Stresssituation, auf sein Herz zu hören und zu handeln.

Und damit nicht genug. Ich schätze an David, dass er weiß, was er kann und was ihn stark macht. Und das ist nicht die Rüstung, in die man ihn vor dem Kampf stecken will. Im Gegenteil. Als ihm König Saul den Helm auf den Kopf setzt und den Brustpanzer überstreift, da sagt David: „Ich kann in diesen Sachen nicht gehen, ich bin nicht daran gewöhnt.“ (1 Sam 17,39). Schnell legt er die Rüstung wieder ab und tritt dem Riesen mit dem entgegen, was er kennt: nämlich mit Hirtenstab und Schleuder in der Hand, fünf Steinen in der Tasche und einer großen Portion Gottvertrauen.

Von David kann ich vier Dinge lernen, die tragen, wenn es ernst wird: zum einen auf die innere Stimme zu hören. Dann die Frage: wofür will ich wirklich stehen und meine Kraft einsetzen? Als nächstes, dass ich darauf vertraue, was ich kann und was mir in ähnlichen Situationen schon einmal geholfen hat. Und zu guter Letzt: zuversichtlich bleiben, dass es gut gehen kann.

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