Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

03FEB2026
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Ich gehöre zu der Sorte von Menschen, die gerne alles planen. Monate vor den Ferien suche ich auf der Karte die Stationen für unsere Fahrradroute im Sommer raus. Ich lege Listen an, wenn wir das Bad renovieren. Ich buche jetzt schon eine Unterkunft, obwohl wir unseren Sohn erst im Herbst besuchen. Online führe ich eine To-Do-Liste, die ich Tag für Tag abarbeite. Das hilft mir, meinen Tag und mein Leben zu strukturieren.

Aber ich weiß ganz genau: Das Leben ist nicht bis ins Letzte planbar. Immer kommt irgendwas dazwischen. Oft sind das Kleinigkeiten: Ein Anruf, eine Nachricht – und ich muss meine Planung umwerfen. Wenn ich krank werde, wars das mit den Zielen für die nächsten Tage. Und dann können auch große Schicksalsschläge alles über den Haufen werfen: Ein Unfall, ein überraschender Todesfall. In anderen Teilen der Erde sind es Krieg, Hunger und Kälte: Da geht’s ums Überleben. Nicht um Pläne.

Schon ganz früh in der Geschichte haben Menschen auch deshalb Kraft und Trost in der Religion gesucht. Haben zu Göttern gebetet, Opfer gebracht, Lichter angezündet, getanzt und gesungen. Heute geht man zur Ärztin, schließt Versicherungen ab, macht Verträge.

Aber trotz all dem gibt es immer wieder Momente, Ereignisse, Zufälle, die das Leben aus der Bahn werfen. Dann kann ich nicht viel mehr machen, als damit umzugehen. Muss lernen, mit der Krankheit zu leben, muss mich mit dem Verlust abfinden, mit dem Tod. Ich mache die Erfahrung: Andere Menschen sind da wichtig. Die mich begleiten – oder die ich begleiten kann. Mit denen ich reden kann. Die mir zuhören oder denen ich ein guter Zuhörer sein kann. Der andere Mensch kann ein Lichtblick sein, gerade dann, wenn alle Pläne über den Haufen geworfen werden.

 

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