Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Am ersten Weihnachtsfeiertag lagen abends schon Weihnachtsbäume am Straßenrand. Ohne Lichter und Kugeln. So schnell war der weihnachtliche Glanz verflogen. Dabei wird erst heute, vierzig Tage später, die letzte Weihnachtsgeschichte erzählt. Am Fest der Darstellung Jesu im Tempel. Im Volksmund heißt es Mariä Lichtmess.
Die Story: Maria und Josef reisen mit ihrem neugeborenen Kind nach Jerusalem. Im Tempel wollen sie ihr Kind sozusagen Gott vorstellen, es darstellen, wie es in der Bibel heißt. Sie wollen nach altem Brauch für die Geburt danken. Später hat man das mit Lichterprozessionen im Gottesdienst gefeiert. Deshalb: Lichtmess.
Das Licht spielt in der Tat auch in dieser letzten Weihnachtsgeschichte eine wichtige Rolle. Denn in der Bibel wird erzählt: Maria und Josef treffen mit ihrem Baby auf zwei alte Menschen. Simeon und Hanna. Die beiden erkennen, dass sie da ein besonderes Kind vor sich haben. Simeon sagt: Das Kind ist das Licht, das die Welt erleuchtet. Ziemlich erstaunlich: Denn dieses Kind ist eigentlich ein ganz normales Kind. Angewiesen wie alle Kinder auf die Liebe seiner Eltern, auf saubere Windeln, auf Muttermilch und warme Kleidung.
Auf vielen Bildern trägt dieses Kind später einen Heiligenschein, sieht erwachsen aus, hat nicht viel von einem neugeborenen Säugling an sich. Das Fest der Darstellung Jesu lenkt den Blick aber gerade auf das menschliche Kind. Und Simeon und Hanna sehen, dass sich in diesem Kind Gott zu erkennen gibt. Ohne Macht, ohne Geld, ohne Armeen. Gott zeigt sich anders: Im verletzlichen und schutzbedürftigen Kind. Das auf andere angewiesen ist. Liebe und Hilfe braucht auf seinem Weg ins Leben. Das heißt: Gott zeigt sich da, wo das Leben anfängt. Wo Neues beginnt. Und wo dieses Neue beschützt und umsorgt wird.
Dafür kann ich heute nochmal eine letzte Weihnachtskerze anzünden. Und ein weihnachtliches Gefühl mit in diesen Tag nehmen.
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