SWR Kultur Wort zum Tag
Ob bei der Arbeit, beim Sport oder in der Familie: Teamwork ermöglicht vieles, was man alleine nie geschafft hätte. Kein Wunder, dass Teamwork hoch im Kurs steht.
Ich arbeite sehr gern im Team mit andern zusammen, wenn wir z.B. eine größere Veranstaltung planen. Da bringt eine gute Ideen ein, jemand schaut nüchtern auf die Zahlen und die Organisation liegt auch in kompetenten Händen.
Allerdings entsteht gutes Teamwork nicht einfach dadurch, dass mehrere miteinander eine Aufgabe übernehmen. „Team“ ist manchmal auch eine Abkürzung für : Toll Ein Anderer Macht´s. Nach meiner Erfahrung ist es wichtig, dass sich in einem Team jede und jeder gesehen fühlt. Wenn ich merke: ich bin wichtig, meine Fähigkeiten werden gebraucht, dann motiviert mich das. Das kann auch bedeuten, dass sich die erfahrenen „alten Hasen“ gelegentlich zurückhalten, damit die anderen ihren Platz finden können. In einem guten Team müssen Zusammenarbeit und Verantwortung immer wieder ausbalanciert werden.
Ich finde es spannend, wie das bei Jesus und seinen Jüngern war. Keine Frage: Jesus war der Meister. Wenn er predigte, dann kamen die Menschen in Scharen. Er sah ihnen ins Herz, er hat Kranke geheilt und die Menschen haben durch ihn gespürt, dass Gott ihnen nahe war. Und trotzdem war die Verkündigung bei Jesus nicht nur Chefsache. Er hat Frauen und Männer in sein Team geholt und sie zu seinen Jüngern gemacht. Nicht nur als Helfer. Sie sollten lernen, selbstständig und eigenverantwortlich zu handeln. Dafür hat er sie einmal je zu zweit in die umliegenden Dörfer geschickt, um die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden und Kranke zu heilen. Mich fasziniert das Zutrauen von Jesus. Wie konnte er sich sicher sein, dass alle in seinem Sinne handeln würden?
Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Ihr seid nicht meine Knechte, sondern meine Freunde“ (Joh: 15,15). Im Team von Jesus geht es nicht um Gehorsam und Hierarchie, sondern darum, wirklich in Beziehung zu sein, mit ihm und untereinander. Ihm war der Teamgeist wichtig. Er wollte nicht, dass die einen sich wichtiger fühlen als die andern. Jeder sollte auf den andern hören und ihn respektieren.
Das wünsche ich mir auch für meine Kirche: mehr Teamgeist im Miteinander von Klerikern und Laien beispielsweise. Darum geht es auch beim letzten Treffen des synodalen Weges, das gestern mit Bischöfen und Laienvertretern in Stuttgart stattgefunden hat. Ich hoffe, es wird dazu beitragen.
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