SWR3 Gedanken
Einen Moment nur habe ich nicht aufgepasst. Ich habe den Gurkenhobel abgespült und mich dabei so richtig tief in die Zeigefingerkuppe geschnitten. Jetzt kann ich zuschauen, wie die Wunde Tag für Tag weiter verheilt. Da wird für mich sichtbar, dass sich mein Körper ständig verändert. Neue Zellen entstehen, alte sterben ab.
Und eigentlich gilt das ja für das ganze Leben. Auch da verändert sich ständig etwas. Genauer gesagt: Es verändert sich alles. Nicht immer sofort spürbar. Aber doch. Ich merke das auch in meiner Arbeit als Pfarrer: Wir haben in der Kirche insgesamt zu viele Gebäude und müssen schauen, was wir damit anfangen. Und Pfarrstellen werden weniger. Die Arbeit in den Kirchengemeinden verändert sich deswegen auch.
Alles verändert sich. Die Frage ist nur, wie ich damit umgehe. Ich kann natürlich versuchen, alles krampfhaft so zu belassen, wie es einmal war. Aber das wird mir nicht gelingen. Wechselt der Wirt meiner Lieblingskneipe, dann kann ich mich noch so auf den Kopf stellen. Es wird daran nichts ändern. Stemme ich mich gegen Veränderungen, halte ich sie doch nicht auf.
Ich kann aber natürlich auch den Kopf einziehen und alles einfach geschehen lassen. Dann kann es sein, dass ich mich hinterher über die Veränderung ärgere. Denn anders hätte es mir besser gefallen.
Deswegen bleibt für mich eigentlich nur eine Option: Ich gestalte die Veränderung mit. Dann kann ich beeinflussen, wie sich die Dinge um mich verändern. Und ich nehme es dadurch anders wahr. Wenn ich mich einbringe, passiert nicht einfach Veränderung. Es fühlt sich für mich anders an, viel besser: Denn dann ist es für mich eine Erneuerung.
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