SWR3 Gedanken
Dietrich Bonhoeffer war Theologe. Er hat sich intensiv mit Gott beschäftigt. Er hat aber auch sehr bewusst wahrgenommen, was in der Welt passiert. Das hat er dann in Beziehung mit seinem Glauben gebracht. Heute vor 120 Jahren ist er geboren. Kurz vor seinem 27. Geburtstag erfolgte die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Die nahm er, wie weite Teile seiner Familie, kritisch wahr. Schon zwei Tage später sprach er sich in einem Radiovortrag für die Begrenzung der umfassenden Machtfülle des Kanzleramtes aus.
In den folgenden Jahren hat er die Entwicklungen in Deutschland weiter aus seinem Glauben heraus hinterfragt. Gegner des Nazi-Regimes trafen sich in seinem Elternhaus. Letztlich kamen sie überein: Hitler muss weg. Wenn es nicht anders geht, dann durch ein Attentat. Bonhoeffer hat sehr mit sich gerungen, ob er da mitmachen kann. Denn ihm war klar: Einen Menschen umzubringen, das ist falsch. Auch einen Tyrannen wie Hitler. Wer dabei mitwirkt, lädt Schuld auf sich. Nicht nur vor dem Gesetz. Auch vor Gott. Was Hitler macht, so viele Menschen umbringen zu lassen, ist aber ebenfalls falsch. Wer also darum weiß und nicht versucht, ihn mit allen Mitteln zu stoppen, macht sich ebenfalls schuldig. Zumindest moralisch.
Dieses Dilemma, auf jeden Fall Schuld auf sich zu nehmen, blieb für Bonhoeffer bestehen. Und doch hat er sich letztendlich ganz klar entschieden: für den Schutz des Lebens vieler, die unschuldig umgebracht werden. Das war für ihn höher anzusehen als der Schutz des Lebens des Tyrannen.
So hat er sich der Widerstandsgruppe angeschlossen. Das Attentat scheiterte. Und Bonhoeffer wurde noch kurz vor Kriegsende auf ausdrückliche Anordnung Hitlers hingerichtet. Bis heute halten sich aber seine Worte, die er für seine Situation damals gefunden hat: Man muss dem Rad in die Speichen fallen. Und es so aufhalten.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43769