SWR3 Gedanken
Pumpen ist gerade bei vielen ein Thema. Also ins Fitnessstudio gehen und mit Gewichten arbeiten. Mal geht es darum, Muskeln aufzubauen. Fürs Aussehen. Body Shaping. Mal darum, dem eigenen Körper mit gezielten Übungen mehr Stabilität und Durchhaltekraft zu geben. Eben etwas Gutes zu tun. Und, so zumindest mein Eindruck: Das ist gerade bei vielen ein Thema. In Gesprächen höre ich davon. In Social Media spült es mir ständig Bilder und Videos aus dem Studio in die Timeline.
Und klar, für vieles, das wir tun und machen, braucht es Ausdauer, Fitness, Kraft. Aber nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Je mehr mir abverlangt wird oder auf mich einprasselt, desto eher fällt eins hinten runter: Dass ich auf mich selbst achte. Auch auf meine Seele. Da heißt es oft „Zieh das durch! Zeig keine Schwäche! Lass nicht nach!“
Ich bin mir sicher, dass das auf lange Sicht nicht guttut und daher auch nicht gut gehen wird. Wir Menschen sind nun mal nicht nur ein Körper. Wir sind auch Seele. Bei schweren körperlichen Aufgaben, z.B. bei einem Umzug oder beim Aufbau eines großen Schranks, da ist es normal, dass ich andere um Hilfe bitte. Liegt Menschen was auf dem Herzen, scheint es mir manchmal anders zu sein. Das wird unter den Teppich gekehrt. Für sich behalten.
Vor ungefähr 2000 Jahren hat der Theologe Paulus schon gesagt: „Helft einander, die Lasten zu tragen. So erfüllt ihr das Gesetz, das Christus gegeben hat.“ Ich finde, er hat recht: Ich muss meinen Umzug nicht allein stemmen. Genauso darf ich bei seelischen Dingen andere um Hilfe und Unterstützung bitten. Wenn ich das erst mal gemacht habe, geht vieles schnell leichter. Geteiltes Leid ist halt doch oft nur noch halbes Leid. Und das Beste ist: Für solche Hilfe muss noch nicht mal jemand pumpen gehen.
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