SWR3 Gedanken
Magen-Darm. Zwei Worte, bei denen viele zusammenzucken. Für mich ist Magen-Darm die wohl unwürdigste Alltagserkrankung. Denn bei Magen-Darm verliere ich die Kontrolle über meinen Körper. Die Energie lässt komplett nach und ohne Hilfe geht nur noch wenig. Eben einfach unwürdig.
Aber was ist eigentlich Würde? Mit meinen Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klasse habe ich darüber nachgedacht. Und die Jugendlichen sind da erst mal ganz schön ins Schlingern gekommen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, das kannten sie. Aber so richtig eigene Worte dafür, was Würde ist, haben sie zunächst nicht gefunden.
Wir haben uns dann gemeinsam vorangetastet. Wenn die Würde unantastbar ist, dann ist sie einfach da. Alle Menschen haben sie. Egal, woher sie kommen, wie sie sind oder was sie können. Niemand kann mir meine Würde wegnehmen. Andere können mich vielleicht entwürdigend behandeln. Das ist schlimm und da braucht es auf jeden Fall eine starke Reaktion dagegen. Ich mag mich dann vielleicht auch entwürdigt, würdelos fühlen. Das heißt aber nicht, dass ich meine Würde tatsächlich verloren habe. Das haben die Schülerinnen und Schüler klar festgehalten.
Die große Frage war dann noch, woher die Würde eigentlich kommt. Und warum es sie gibt. Wir haben die Antwort ganz am Anfang der Bibel gefunden. Da steht die Erzählung, dass Gott alles, was es gibt, schon immer begleitet. Verpackt ist dieser Gedanke als Schöpfungserzählung. Und da kommentiert Gott seine Geschöpfe immer wieder mit: „Siehe, es war sehr gut.“
Würde ist etwas, das zugesprochen ist. Auch uns Menschen. Weil wir für Gott wertvoll sind. Weil jeder einzelne Mensch wertvoll ist. Das gilt auch bei Erkrankungen. Und da muss ich mich deshalb korrigieren: Selbst mit Magen-Darm verliere ich meine Würde nicht.
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