SWR4 Abendgedanken

30JAN2026
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Eine Freundin ist leider schwer erkrankt. Sie bittet darum, dass wir Freundinnen für sie beten. Diese Bitte rührt mich sehr, also erfülle ich ihren Wunsch sehr gerne. Zumal sie zu anderen Zeiten auch schon für mich gebetet hat. In meinem Freundes- oder Bekanntenkreis ist inzwischen die Bitte „Betet für mich“ ganz normal geworden. Meine beste Freundin und ich halten das ohnehin schon lange so. Eigentlich gibts ohnehin jeden Tag genug Gelegenheiten, für andere zu beten. Da brauche ich nur die Zeitung zu lesen. Darin finden sich genug Anlässe.

Seit jeher beten Menschen füreinander oder bitten andere um das Gebet. Dafür gibt es in vielen Religionen Zeichen und Rituale. Mit diesen Gebeten unterstützen Menschen sich gegenseitig. Das Gebet hilft ja auch mir, wenn ich für die Freundin bete. Ich denke an sie in ihrer Not, und lege sie Gott besonders ans Herz. Damit kann ich ein bisschen was tun, wenn ich sonst schon in keiner Weise helfen kann. Und wir sind über das Gebet eine Weile miteinander verbunden, auch das ist wichtig. Irgendwann habe ich auch gelernt: es kann genügen, an die Menschen zu denken, um die ich mir Sorgen mache. Das reicht als Gebet aus. Gott hilft auf seine Weise.

Das wusste schon der Apostel Paulus. In einem seiner Briefe schreibt er: „Der Geist Gottes hilft uns in all unseren Schwächen. Wissen wir doch nicht einmal, wie wir beten sollen, damit Gott uns erhören kann. Deshalb hilft uns der Geist Gottes und bringt in wortlosem Flehen vor Gott, was wir selbst nicht in Worte fassen können. Aber Gott, der uns bis ins Innerste kennt, weiß natürlich auch, was der Geist ihm sagen will.“ (Röm 8,26 Übersetzung Kammermayer)

Das ist doch beruhigend. Gott weiß schon, was los ist. Ich muss es nicht im Einzelnen aufzählen. Ohnehin ist jedes Fürbitt-Gebet ja eine ganz offene Bitte. Und keine Bestellung. Ich weiß von vielen Menschen, dass ihnen schon hilft, wenn sie ihre Bitte ausgesprochen haben. Damit hat sich die eigene Sorge ein klein wenig verwandelt. Wenn die Bibel vom „Geist Gottes“ spricht, meint sie genau das - die Kraft, die in mir und um mich ist. Es ist die Kraft Gottes, die mich lenkt und leitet. Die Lebensgeister, von denen ich glauben und hoffen darf, dass sie von Gott sind. Meine Freundin, die um Fürbitte gebeten hat: sie wird möglicherweise nicht mehr gesund werden. Aber es stärkt sie, wenn wir für sie beten. Das gibt ihr Kraft und hilft, die schwere Zeit ein wenig besser zu bewältigen. So erfährt sie Gottes Hilfe!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43765
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