SWR4 Abendgedanken
Wie oft habe ich das jetzt gelesen: „Ich wünsche Dir ein friedvolles Jahr!“ Wie sehr wünsche ich dieser Welt den Frieden. Und wie heftig spricht mich jedesmal der Friedensgruß im Gottesdienst an.
Frieden ist so was wie eine Lebensübung. Damit müssen schon Kinder anfangen. Die streiten, was das Zeug hält: um die Sandschaufel oder die Schokolade, wer näher bei Mama oder Papa sitzen darf oder immer dann, wenn sie meinen, dass sie zu kurz gekommen sind. Sie zanken und streiten und versöhnen sich wieder. Für die Erwachsenen ist das anstrengend. Aber es ist eine Lebensschule: Spielen und Streiten als Grundübung für friedlicheres Miteinander. Kinder üben Fähigkeiten ein, die uns Erwachsenen auch nicht immer leichtfallen: Zurückstehen lernen, sich einfügen, aufeinander hören, mal gewinnen und mal verlieren und manchmal auch verzichten. Klingt für manche vielleicht altmodisch? Ist es aber nicht. Denn das und mehr brauchts für wirklichen Frieden. Ich merke beim Nachdenken, dass ich auch meinen Glauben an Gott dafür brauche. Von Gott her kommt der Friede, der höher ist als alle Vernunft, wie es in einem Gebet heißt. Für Jesus ist Frieden ein großes Thema. In manchen Liedern und Texten wird Jesus „Friedensfürst“ genannt.
Er hat Menschen den Frieden zugesprochen. Das hat er oft sehr verborgen getan. Wenn er Kranke geheilt hat, zum Beispiel und sie dadurch wieder in die Gemeinschaft aufgenommen worden sind. Was für ein Frieden und Glück für die betroffene Person und ihre Familie! Gleichzeitig aber hat er keinen Konflikt gescheut. Wenn es sein musste, hat er hart gestritten. Gewaltfrei. In die politischen Kämpfe seiner Zeit hat er sich nicht eingemischt. Aber er hat den Menschen Handwerkszeug gezeigt, wie sie mit Konflikten umgehen können. Sein Maßstab ist: auch der andere ist ein Mensch und hat es verdient, als Mensch behandelt zu werden. Und darauf kommt es an! Auch in einer friedlicheren Welt wird es Konflikte geben, weil es immer Konflikte gibt, wenn Menschen miteinander zu tun haben. Mit ihnen umgehen und sie gut lösen – das ist die Aufgabe. Mit Gesprächen, gutem Willen, Liebe. Aber auch mit Klugheit und klarem Verstand. Mit deiner Hilfe, Jesus, könnte es gelingen.
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