SWR1 Begegnungen

25JAN2026
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Johannes Zang copyright: Privatfoto

In der Nähe von Aschaffenburg lebt er. Dort habe ich ihn besucht. Kurz vor Weihnachten hat er ein Buch veröffentlicht, das mich berührt hat. Interviews mit palästinensischen Christinnen und Christen im von Israel besetzten Westjordanland. Menschen, deren Familien als Nachkommen der Urchristen schon seit biblischer Zeit im Heiligen Land leben. Tief berührt hat mich ihr Glaube. Ihre Ablehnung von Gewalt und ihre Hoffnung auf Frieden. Trotzdem überlegen viele, ihre Heimat zu verlassen.

Johannes Zang, selbst gläubiger Christ, der auch Hebräisch und Arabisch spricht, hat mehrere Jahre in Bethlehem und Jerusalem gelebt.

 

In der Zeit, habe ich überwiegend mit palästinensischen Christen zusammengearbeitet, und ich glaube, dass ich in mindestens hundert christlichen Häusern war, zum Mittagessen eingeladen, zum Abendessen, zum Tee, habe mit ganz vielen sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet und ich habe erlebt, wie viele von denen verzweifelt weggegangen sind. Und ich habe gedacht, ich muss diese Menschen zu Wort kommen lassen, bevor sie in Berlin und Stockholm und Paris sind.

 

Viele dutzend Male hat er Israel bereist, hat Pilgergruppen durchs Land geführt, Friedensaktivisten auf jüdischer wie palästinensischer Seite getroffen. Was das Leben der palästinensischen Christen, und auch der Muslime, unter der Besatzung so schwierig macht, beschreibt er so:

 

Als ich im April 25 dort war in diesem kleinen Gebiet, also das ist viel kleiner als Baden-Württemberg, viel kleiner als Rheinland-Pfalz, standen da über 800 Sperren des israelischen Militärs, teils bemannt, teils unbemannt. Und man kann sich vorstellen, was das für den Weg zur Uni, den Weg zum Krankenhaus, den Weg zu Verwandten, den Weg zum eigenen Olivenhain bedeutet.

 

Einer seiner palästinensischen Gesprächspartner aus Bethlehem etwa …

 

… der hatte einen Arzttermin in Ramallah. Luftlinie 20 Kilometer, Fahrstrecke ein bisschen mehr. Der Arzttermin hat keine halbe Stunde gedauert und er war von 7:30 Uhr morgens bis 23:00 Uhr abends unterwegs.

 

Doch da ist noch mehr, das sie zermürbt. Neben der Gewalt durch Soldaten und militante Siedler auch ihre wirtschaftliche Lage, die sehr schwierig ist.

 

Die Christen leben halt sehr stark von Pilgern und Touristen. Schon immer traditionell als Hotel und Restaurantbesitzer, als Souvenirhändler, als Olivenholzschnitzer.Und erst waren die bitteren Jahre der Coronazeit, wo so gut wie keiner kam und jetzt eben schon wieder über zwei Jahre Krieg.

 

In denen ihre Einkünfte praktisch weggebrochen sind. Ich merke, das simple Schwarz oder Weiß, Israel oder Palästina, das oft die Emotionen hier beherrscht, wird der komplexen Realität nicht gerecht. Und, es ist immer gut, den Menschen vor Ort zuzuhören. Ihren Geschichten, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen.

 

Mit Sicherheit gibt es auf beiden Seiten Traumata. Und ganz viele Vorurteile. Ich kenne diese Thematik eigentlich sehr gut und muss trotzdem sagen, immer wieder entdecke ich eine neue Facette. Und die Bewunderung für die, die dort bleiben. Die Bewunderung wird immer größer.

 

Seine tiefe Liebe zu Land und Leuten merke ich ihm an. Den Anstoß dazu haben vor vielen Jahren seine Eltern gegeben, als er nach einem abgebrochenen Theologiestudium nicht recht wusste, wie es weitergehen soll. Sie schlugen ihm eine Auszeit vor. Als Erntehelfer in Israel.

 

Das war im Dezember 85, kurz vor Weihnachten. Ich wusste nichts über die Hintergründe und war dreieinhalb Monate in einem Kibbuz im Süden, Be‘eri, Und da war ich die ersten dreieinhalb Monate meines Aufenthalts, der dann doch länger als ein Jahr war, weil ich mich in das Land, die Leute, in die Landschaften verliebt habe. Seitdem lässt mich die Region nicht mehr los.

 

Es war übrigens jener Kibbuz, der Jahrzehnte später beim Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 23 so furchtbar getroffen wurde. Zurück in Deutschland hat er dann Musiktherapie studiert und ist 1999 nach Israel zurückgekehrt.

Ob es irgendwann zu Frieden und Versöhnung kommen wird? Offen. Aber was wäre christlicher Glaube ohne Hoffnung? Schwer vorstellbar finde ich, dass im Land, in dem das Christentum entstanden ist, irgendwann keine Christen mehr sein könnten, die sich in Anlehnung an ein Bibelwort als „lebendige Steine“ verstehen. (1 Petr 2,5).

 

Die haben ja auch vor Jahren bewusst auch dieses Wort gewählt und an die Pilger appelliert: Besucht nicht nur die toten Steine, besucht nicht nur die Kirchen und die Ruinen, sondern auch uns. Ja, sucht die Begegnung mit uns.

 

Wie könnte ich denn die Glaubensgeschwister dort unterstützen, wenn ich will?

 

Also ich habe gestern von einem Mitarbeiter des Würzburger Bischofs eine E-Mail bekommen, dass er wieder Olivenholzherzen in Bethlehem bestellen möchte. Das ist für den Schnitzer und seine vier Angestellten immerhin einige Tage, vielleicht auch zwei Wochen Arbeit, und alle können überlegen, ob sie nicht eben auch bei einem der Schnitzer so was bestellen.

 

Und ein Besuch im Heiligen Land, wenn das wieder möglich ist?

 

Da wäre meine Empfehlung. Bitte planen Sie auch zwei, drei, vier Begegnungen ein mit palästinensischen Christen, aber auch mit israelisch-jüdischen Friedensaktivisten, um diese Menschen vor Ort auch durch so eine Begegnung zu stärken, und vielleicht den Sonntagsgottesdienst zusammen mit einheimischen Christen zu feiern.

 

 

Johannes Zang, "Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung". 33 Christen aus Palästina reden Klartext, Verlag Hampp Stuttgart

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43760
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