SWR Kultur Lied zum Sonntag

01FEB2026
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„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Dieser Satz des Apostel Paulus ist einer der beliebtesten Trausprüche. Liebe ist für Paulus das Band, mit dem Gott die Welt an sich bindet. Menschen, die Liebe üben, verstärken dieses Band. Dazu brauchen sie Glauben – Vertrauen des Herzens – und Hoffnung, die Stärke der Seele.
Im Oratorium „Die Bekehrung der Magdalena“ des italienischen Barockkomponisten Giovanni Bononcini führen die Schwestern Marta und Maddalena einen innigen Dialog über die Worte des Paulus:
„Wer begleitet meine Füße zum Mensch gewordenen Gott?“, fragt Maddalena, und Marta antwortet: „Der Glaube.“ – „Wer unterstützt meine Seele?“ – „Die Hoffnung.“ – „Hoffen wir auf Vergebung und bitten um Mitleid“, singen beide.

Musik

Mit diesem Duett endet das 1701 in Wien uraufgeführte Oratorium. Es erzählt von den inneren Kämpfen der jungen Maddalena. Sie ist hin- und hergerissen: Soll sie sich selbst bespiegeln – oder über sich hinauswachsen? Unbeschwert für den Moment leben und die irdische Liebe auskosten – oder einen mühsameren Weg auf sich nehmen und erfahren, was göttliche Liebe in ihrer ganzen Schönheit bedeutet?

„Wer weckt die Sehnsucht?“, fragt sie ihre Schwester. „Der Mut“, antwortet diese. „Wem vertraust du dein Herz an?“ – „Der Liebe.“ – „Der Liebe, die Gottes Schönheit verbreitet“, stimmt Maddalena ein.

Musik

Im Oratorium kämpfen die göttliche und die irdische Liebe um die junge Maddalena, die ihren eigenen Weg finden muss. Dieser Weg war vor 300 Jahren viel enger begrenzt als heute. Doch der Dialog der beiden Schwestern über Glaube, Hoffnung und Liebe spricht mich auch heute direkt an.

Wer liebt, verbreitet Gottes Schönheit. Geleitet vom Glauben, getragen von der Hoffnung, geht die Liebe mutige Wege. Nicht die ausgetretenen Wege der Selbstliebe, sondern die oft schwierigen, leidvollen Wege, auf denen Gottes Spur in der Welt leuchtet. So wird die Welt liebevoller – und damit schöner.

Musik

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Christian Hartung aus Kirchberg im Hunsrück von der evangelischen Kirche!

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Duett Maddalena und Marta: Al nume umanato – Giovanni Bononcini, La Conversione di Maddalena

Titel: Al Nume umanato (Duett Maddalena und Marta, Oratorium La Conversione di Maddalena von Giovanni Bononcini, 1701)
Komponist
T: Anonym (vor 1701)
M: Giovanni Bononcini (1670-1747)

Musikquellen
Giovanni Bononcini, La conversione di Maddalena / Emmanuela Galli / Marta Fumagalli / La Venexiana / Gabriele Palomba / Glossa Music / GCD 920944 / 02-25

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43759
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