Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

27JAN2026
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Es gibt ein Lied, das mir persönlich sehr wichtig ist. Es ist von Klaus Hoffmann und heißt Adieu Emile. Darin wird beschrieben wie ein Verstorbener sich an die Lebenden wendet. Und im Refrain wünscht er sich statt einer Beerdigung eine Feier – eine Feier des Lebens. Wenn ich meiner Frau von meinem Wunsch erzähle, dass dieses Lied bei meiner Beerdigung gespielt wird, dann berührt sie das immer sehr und uns beiden kommen die Tränen - über den Tod und die Endlichkeit.

Sie sagt aber, dass sie jetzt ja noch nicht weiß, wie es ihr dann gehen werde - falls ich denn vor ihr sterbe. Ob Sie dann dankbar ein Fest des Lebens in aller Trauer feiern kann oder ob die Trauer sie fest im Griff hat und zerreißt. Deshalb soll ich die Gestaltung der Trauerfeier doch ruhig ihre Sache sein lassen.

Und da hat sie Recht. Es geht ja bei der Gestaltung des Abschieds um die, die zurückbleiben und nicht um die Verstorbenen.

Wenn ich mir vorstelle ich müsste mich endgültig von meiner Frau verabschieden, dann will ich das so tun, wie es für meine Kinder, die Familie und Freunde, aber auch für mich gut ist. – Selbst wenn sich meine Frau zu Lebzeiten etwas anderes gewünscht hat. So weit geht die Autonomie, die Selbstbestimmung dann nicht oder sollte sie – wie ich finde - nicht gehen.

Wenn ich tot bin, hoffe ich bei Gott geborgen zu sein. Ganz Teil seiner Liebe zu werden.

Deshalb brauche ich mir dann keine Gedanken mehr über die Trauerfeier zu machen. Und ich hoffe, dass Gott dann auch bei meinen Lieben ist, wenn sie von mir Abschied nehmen müssen. Dass er sie stärkt und trägt. So dass Sie ihr Leben gut weiterführen können.

Dazu soll die Trauerfeier ihren Teil beitragen und dabei helfen die guten Formen der kirchlichen Bestattung - Gewachsene Rituale, die stützen und führen können.

Die in die jeweilige Situation passen müssen. Und die deshalb nicht eine Erfüllung meines Wunsches sein sollen.

Und so hören wir manchmal eben heute schon gemeinsam das Lied über das Fest des Lebens beim Tod, vergießen gemeinsam die eine oder andere Träne und widmen uns dann wieder voll und ganz dem Leben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43752
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