SWR Kultur Wort zum Tag

24JAN2026
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Schon immer wollte ich einmal die Pyramiden von Gizeh in Ägypten sehen. Dieses gigantische sagenumwobene Weltwunder der Antike. In diesem Jahr hat sich der Wunsch endlich erfüllt. Bereits vorher hatte ich gehört, wie groß das Gelände um die Pyramiden herum sein soll und man sich besser einen Guide bucht, um weniger verloren herumzuirren. Schwer vorstellbar, dass ich mich zwischen diesen riesigen Baudenkmälern hätte verlaufen können, aber der Tipp hat sich als sehr berechtigt herausgestellt.  

In einem Café hat uns der Guide zuerst alles Mögliche über die Pyramiden erzählt: zur Geschichte, zu den verwendeten Steinen und natürlich auch zu der immer noch ungeklärten Frage, wie die Pyramiden eigentlich gebaut wurden. Trotz fundierter Theorien fehlt bis heute eine eindeutige Erklärung. Na klar: es heißt ja auch Welt-Wunder. Dieses Geheimnis um die Pyramiden fasziniert mich, es macht mich aber auch unruhig: ich möchte das Geheimnis lieber gelüftet wissen.

Hartnäckig hält sich die Vorstellung, dass es Aliens waren, die das Werk vollbracht haben. Aber das überzeugt mich nicht. Schon eher kann ich Überlegungen zu ausgetüftelten Rampensystemen nachvollziehen. Am Ende seiner Ausführungen zu den Erklärungsmöglichkeiten sagt der Guide dann noch folgenden Satz: „Ihr Christen glaubt: Gott versetzt Berge, wir glauben: Gott baut Pyramiden“. Ich musste lachen. Was für ein verrückter Gedanke. Der hat zwar ein bisschen einstudiert gewirkt – so, wie das bei diesen Führungen mit den Lachern eben manchmal ist. Aber vielleicht ist ja was dran.

Der Gedanke „Gott versetzt Berge“ steht tatsächlich in der Bibel und stammt von Jesus. Genauer gesagt, heißt es dort: Der Glaube kann Berge versetzen. Jesus meint damit: Trau dem Glauben etwas zu. Vertrau auf Gott, auch wenn Berge dir in deinem Leben die Sicht verstellen. Hör nicht auf, mit dem Undenkbaren zu rechnen, nur, weil es unwahrscheinlich ist. So habe ich auch den ägyptischen Guide verstanden. Er hat Gott viel zugetraut. Mit Augenzwinkern.

Seit meiner Reise grüble ich darüber nach, wie es um mein Zutrauen steht. Statt zu staunen über das Geheimnis der Pyramiden und die Möglichkeit von Gottes Eingreifen, wollte ich eine eindeutige Erklärung. Ich könnte mir immer weiter den Kopf darüber zerbrechen. Gerne will ich aber wieder lernen, mich über die Geheimnisse auf dieser Erde zu freuen. Die Pyramiden halten ein Fenster des Staunens offen: in dem ich mit Wundern rechne, mit Unglaublichem und mit Gott. In meinem Leben und überall auf dieser Welt.

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