SWR3 Gedanken

31JAN2026
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Was schenkt man einem Teenager zum Geburtstag? Da kann man leicht daneben liegen. So wie meine Oma damals an meinem 13ten. Sie hat mir ein Knigge-Lexikon geschenkt, voll mit Benimmregeln. Ich war damals ziemlich durchgeknallt und hab gedacht: „Wie albern! Ein Buch, dass mir vorschreibt Türen aufzuhalten oder die Ellbogen vom Tisch zu nehmen. Lasst mich doch leben, wie ich will.“

Ich bin bis heute kein großer Knigge-Fan. Aber ich habe verstanden, dass es dabei um mehr geht als um Tischmanieren. Es geht um Werte wie „Anstand“ und darum, höflich zu bleiben, auch wenn mir jemand blöd kommt. Das sind solche typischen „Knigge-Werte“.

Die Werte, die mir noch viel wichtiger sind, kenne ich aus meinem Glauben. Und sie sind wie ein Kompass: Zum Beispiel dafür wie ein gutes Miteinander klappt. Ob ich Rücksicht nehme oder nur meinem eigenen Trott folge. Ob ich zuhöre, um zu widersprechen – oder um zu verstehen.

Jesus gibt mir kein Regelkorsett vor, bei dem alles genau festgelegt ist. Sonst sitzt zwar alles korrekt, aber es schnürt mir die Luft ab. Stattdessen sagt Jesus: „Liebe Gott – und liebe dein Gegenüber wie dich selbst. Mehr nicht.“

Das ist wenig konkret, und genau das ist der Punkt: Bei Jesus muss ich selbst denken, und rausfinden was „Lieben“ im Alltag heißt. Das ist anstrengend, weil es selten einfache Lösungen gibt.

Und genau diese Jesus-Werte halten mich im Gespräch mit anderen. Sie helfen, dranzubleiben, auch wenn es kracht. Und sie helfen, dass ich nicht einfach nur  Recht behalten oder „gewinnen“ will, sondern dass ich um Beziehungen ringe.

Wer Jesus folgt, der braucht keine Regeln nach dem Typ „Knigge“, sondern Werte, die atmen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43746
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