SWR3 Gedanken
Fast ist er vorbei: Der „Dry January“. Meine Nachbarn und ein Freund von mir haben mitgemacht und einen Monat lang komplett auf Alkohol verzichtet.
Der „trockene Januar“ kommt aus England und erst hab ich überlegt: Mit Freunden was trinken gehen oder das obligatorische Gläschen Sekt in der Firma. Das alles gehört doch irgendwie dazu. Oder ist das harmlose Glas hin- und wieder doch nicht mehr so harmlos?
Fakt ist – und das hat mich wirklich schockiert - allein in Deutschland gibt es über zwei Millionen alkoholkranke Menschen. Und jetzt ist es auch wissenschaftlich belegt: schon ab dem ersten Schluck ist Alkohol gesundheitsschädlich.
Auch wenn jetzt schon Ende Januar ist und ich die selbstauferlegte Trockenheit verpasst hab: hinter dieser Challenge steckt für mich mehr als nur Verzicht.
Es ist eine Haltung: Dass bei einer Party nicht zwangsläufig Alkohol fließen muss, damit alle lustig sind. Dass eine Kollegin nicht gleich gefragt wird, ob sie schwanger sei, wenn sie beim Orangensaft bleibt. Oder dass ich entspannt „Nein“ sagen kann, ohne dass mich jemand mit nett gemeinten Sprüchen wie „Eins ist wie keins“ zum Feierabendbier drängt.
Für mich ist es eine Form von Nächstenliebe, wenn ich einer Freundin das Gläschen Wein gönne, während ich bei meinem 0,0er Radler bleibe. Ich will die Leute um mich herum in ihren guten Entscheidungen unterstützen, und respektieren, wenn jemand eben nichts trinken will. Das ist nichts Großes. Aber für jemanden, der vielleicht gerade mit dem Thema Alkohol kämpft, kann es eines sein: ein entscheidender Haltungswechsel.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43745