SWR3 Gedanken
Eine 90-Tage-Challenge ohne Alkohol, Snacks und Co? Dazu noch konsequenter Sport und kalte Duschen. Das zieht gerade mein Kumpel Thomas durch. Und was vermutlich verrückt klingt: er macht das Ganze wegen Gott. Naja nicht nur: Thomas will freier werden und gleichzeitig näher an Gott rankommen.
Mein erste Reaktion: Nicht schon wieder so ein Selbstoptimierungs-Gedöns. Kann Thomas sich nicht annehmen, wie er ist, ohne den Rotstift anzusetzen?
Aber Thomas erklärt: „Es geht nicht darum, ein abgebrühter Typ zu werden. Ich will unabhängiger und entschiedener leben. Und das mache ich, indem ich öfter bete und meinen Alltag entrümple.“
Drei Wochen später treffe ich Thomas wieder. Und irgendwas ist anders. Er wirkt ruhiger und präsenter, und meint: „Ich merke erst jetzt, wie viel Kraft mich die vielen kleinen Fluchten sonst kosten.“ Thomas erzählt, dass weniger das Programm anstrengend ist, sondern das ständige Nachgeben: das schnelle Video, zwei Schokoriegel zwischendurch oder das abendliche „Absacken“. Wenn man lernt, bewusst „Nein“ zu sagen, dann gewinnt man Fokus und dann wird was frei.
Natürlich muss und kann das nicht jeder so machen. Aber für Thomas ist die Sache mit den 90 Tagen ein guter Weg. Und ich sehe, wie sich leise was bei ihm ordnet.
Und ich verstehe auch, dass Thomas Challenge gut zu Gott passt. Denn ich bin sicher, dass es Gott nicht darum geht, dass jemand verhärtet oder das Leben weniger genießt. Gott wollte schon immer, dass Menschen frei sind.
Und ich bin nicht dann frei, wenn alles möglich ist. Freiheit entsteht, wenn ich nicht mehr alles brauche. Wenn mein Blick klar und entschieden wird.
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