SWR3 Gedanken

27JAN2026
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Dieser Wecker ist so richtig Retro. Es ist ein gold-farbener 50er-Jahre-Reisewecker, den man aufziehen muss; mit römischen Ziffern und den klassischen zwei Glocken obendrauf.

Ich liebe das Teil auf meinem Schreibtisch, auch wenn mich sein ohrenbetäubendes Bimmeln schon nachts um drei aus dem Bett geholt hat, weil meine Tochter tagsüber dran rumgespielt hat.

Wenn der Wecker aufgezogen ist, tickt er richtig laut. Für mich ein beruhigendes Geräusch, weil es so entspannt-gleichmäßig ist. Meine Frau treibt es in den Wahnsinn, aber mich macht es richtig happy.

Das ist ziemlich paradox, weil ich eigentlich schon seit Jahren auf Kriegsfuß mit der Zeit stehe. Die Wochen fliegen nur so dahin und es gibt permanent so vieles, was ich gern machen würde, aber zeitlich einfach nicht schaffe.

Wenn mein Wecker so aufdringlich tickt, erinnert mich das daran: Zeit ist kostbar.
Weniger nach dem Motto „Ohje, jetzt musst du aber richtig Gas geben.“, sondern mehr in die Richtung: „Hey, hier tickt deine Zeit. Ganze 24 Stunden zu deiner Verfügung.“

Hast du Lust auf handyfrei? Dann dreh das Radio auf und produzier ein paar Späne in deiner Werkstatt. Oder lies endlich dieses Buch, das auf deinem Nachttisch verstaubt. Oder wie wäre es mit einer halben Stunde auf ein ehrliches Gespräch mit dir selbst?

Gott hat mir meine Zeit geschenkt. Wenn ich meinen Retro-Wecker ticken höre, dann höre ich darin Gott und seinen ständigen, beruhigenden Reminder, der heißt: „Diese Stunden sind von mir für dich.“

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