SWR4 Abendgedanken

23JAN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Fürchtet euch nicht! Denn euch ist heute der Heiland geboren!“ (Lukasevangelium 2,10f) – Im Krippenspiel in unserer Kirche haben die kleinen Engel diesen Satz allen Gottesdienstbesuchern zugerufen. Seitdem klingt dieser Ruf in mir nach.

Das ist mein Gänsehautmoment an Heiligabend. Wenn die kleinen, schüchternen Mädchen, die die Engel spielen, über sich selbst hinauswachsen und mutig und fröhlich allen zurufen, dass wir uns nicht fürchten müssen.

Und dass wir uns nicht fürchten müssen, hat einen ganz einfachen Grund: Weil Gott zu uns Menschen kommt. Als Kind. Klein, verletzlich. Gott teilt unser Leben. Er ist angewiesen auf die Fürsorge anderer, er lacht und weint, er lernt Menschen kennen, trauert mit anderen, er ist hungrig, wird ausgelacht, nicht ernstgenommen. Er muss sich seinen Platz in der Welt erarbeiten, muss seinen Weg finden.

Gott teilt unser Leben. Ganz und gar. Mit allem, was dazu gehört.

Letztendlich stirbt er auch. So wie auch ich irgendwann einmal sterben muss. Und dann, wenn mit dem Tod nach meinem menschlichen Denken alles vorbei ist, dann kommt wieder ein Wendepunkt. An Ostern! Dann rufen die Engel wieder: „Fürchtet euch nicht!“

Wenn ich noch über den Tod nachdenke, wenn die Frauen den toten Jesus besuchen wollen, da kommen wieder die Engel ins Spiel. Sie sitzen am Grab, wo kein toter Jesus zu finden ist und sagen den Frauen: „Fürchtet euch nicht. Jesus ist nicht hier. Gott hat ihn von den Toten auferweckt!“ (Matthäusevangelium 28,5)

An den entscheidenden Punkten des Lebens – am Anfang und am Ende – gilt dieselbe Botschaft: Fürchtet euch nicht! Aber diese Botschaft gilt auch mittendrin. Mitten in meinen Alltag und meinen Routinen, auch da muss ich mich nicht fürchten.

Ich muss mich nicht ängstigen vor dem, was das Leben mir bringt und was ich noch gar nicht wissen kann. Gott ist da. Ich muss keine Angst haben vor Veränderungen, vor dem, was mir fremd und unbekannt ist, Gott geht mit. Auch wenn ich ihn manchmal nicht fassen kann, so ist Gott dabei. An meiner Seite.

Zwischen Weihnachten und Ostern liegt ein ganzes Leben. Das Leben, das Jesus gelebt hat. Zwischen Krippe und leerem Grab liegt mein Leben mit all dem, was es ausmacht, worum ich mich sorge, was mich ängstigt, was mich glücklich macht und über mich hinauswachsen lässt. Gott spricht uns durch die Engel zu: Ich bin da! Fürchtet euch nicht!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43716
weiterlesen...