SWR Kultur Wort zum Tag

21JAN2026
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„Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben.“ Diesen Satz habe ich einmal bei einem Vortrag gehört. Er hat sich mir eingeprägt und beschäftigt mich immer noch. Erst einmal klingt das nämlich ziemlich verrückt. Kein Mensch kann doch im Nachhinein etwas an seiner Kindheit ändern! Ihr ein nachträgliches Glück verpassen, das es in Wirklichkeit kaum gegeben hat. Wie soll das möglich sein?

„Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben.“ Der Satz stammt ursprünglich von dem amerikanischen Psychiater und Psychotherapeuten Milton H. Erickson. Erickson war ein herausragender Arzt, der wichtige Impulse für die Psychotherapie entwickelt hat. Interessanterweise hat er selbst von außen betrachtet keine wunderbare Kindheit erlebt. Er hat als Kind unter Legasthenie gelitten und wurde deshalb verspottet. Eine Zeitlang dachten seine Eltern, dass er geistig zurückgeblieben sei. Später, als Jugendlicher, erkrankte er an Kinderlähmung und war lange bewegungsunfähig an Bett und Rollstuhl gefesselt. Ausgerechnet dieser Mann sagt: „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben!“
Ich finde, dass gerade die Herausforderungen, denen Erickson ausgesetzt war, seinen Satz glaubwürdig machen. Hier spricht jemand, der weiß, wovon er redet. Ich glaube: Erickson möchte, dass Menschen wissen, dass sie ihrer Lebensgeschichte nicht hilflos ausgeliefert sind. Es gibt die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln. Aus einem unglücklichen Jungen mit Schulschwierigkeiten und einer schweren Behinderung ist so ein bedeutender Wissenschaftler geworden. Erickson hat für sich entdeckt: Es gibt mehr als die abwertenden Urteile anderer Menschen. Ich bin in der Lage, mein Leben und mich wertzuschätzen! Jedes Leben ist kostbar!

Ich weiß nicht, ob es mir gelungen wäre, aus eigener Kraft diese freundliche Sicht auf mein Leben zu entwickeln, dem eigenen Unglück zum Trotz. Milton H. Erickson hat gewusst, dass nicht jeder aus eigener Kraft die Perspektive wechseln kann. So hat er als Therapeut anderen geholfen. Als Christin freue ich mich darüber hinaus über göttliche Sehhilfe beim Perspektivwechsel. Ich glaube daran, dass Gott auch im größten Chaos meines Lebens etwas entdeckt, was es wert ist, glücklich genannt zu werden. Sein liebevoller Blick hilft, eine freundliche Perspektive auf das eigene Leben zu entdecken. Gott sagt: Komm, es ist nie zu spät. Schau hin. Du hast Glück! Du darfst nämlich: leben!

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