SWR Kultur Lied zum Sonntag
Manchmal trifft ein Popsong einen Nerv. Mit dem Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“ geht mir das so. Auch ich finde mich manchmal darin wieder. Es ist ein Lied, das in einfachen Worten die Wechselfälle des Lebens besingt.
Manchmal geh ich meine Straße ohne Blick
Manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück
Manchmal bin ich ohne Rast und Ruh
Manchmal schließ ich alle Türen nach mir zu
Manchmal ist mir kalt und manchmal heiß
Manchmal weiß ich nicht mehr was ich weiß
Manchmal bin ich schon am Morgen müd
Manchmal such ich Trost in einem Lied
Im Jahr 1978 wird der Song von der DDR-Rockband Karat veröffentlicht. Im Westen ist es Peter Maffay, der ihn populär gemacht hat. In Osten wie im Westen Deutschlands wird er schnell zu einer Art Volkslied.
Weil er etwas beschreibt, was jeder und jede kennt: Höhen und Tiefen, Wege und Sackgassen. Das Leben, wie es eben sein kann. Und einen manchmal hilflos und ratlos zurücklässt. Gäbe es nicht den Trost, den ein solches Lied vermittelt. Denn es gibt nicht nur Abgründe. Sondern auch Brücken, die über diese Abgründe führen.
Über sieben Brücken musst du gehen
Sieben dunkle Jahre überstehn
Sieben Mal wirst du die Asche sein
Aber einmal auch der helle Schein
Die Sieben spielt eine besondere Rolle. Ich denke an die sieben mageren und fetten Jahre, wie sie im Alten Testament beschrieben werden. Und sprichwörtlich geworden sind. Nach Zeiten des Mangels kommt wieder eine Zeit der Fülle. Und umgekehrt.
Auch das biblische Bild von den sieben Schöpfungstagen fällt mir ein. Als sich aus dem Chaos des Urzustandes nach und nach Leben entfaltet. Da steht die Sieben für Vollkommenheit und Ganzheit.
Mit solchen Aussichten kann ich vielleicht manche Unruhe und manche Leere besser ertragen.
Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu stehn
Manchmal scheint man nur im Kreis zu gehen
Manchmal ist man wie von Fernweh krank
Manchmal sitzt man still auf einer Bank
(Manchmal greift man nach der ganzen Welt
Manchmal meint man dass der Glücksstern fällt
Manchmal nimmt man wo man lieber gibt
Manchmal hasst man das was man doch liebt
Ja, es gibt Situationen, da scheint alles zu Asche zu werden. Meine Pläne. Eine Beziehung. Ein ganzes Leben. In der Bibel ist von Asche immer dann die Rede, wenn es um die Zerbrechlichkeit und Endlichkeit des Lebens geht.
Aber da leuchtet auch - nicht zu übersehen - ein heller Schein auf! Es gibt das wunderbare Bibelwort vom hellen Schein, den Gott in unsere Herzen gelegt hat.
„Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben.“
Am Ende des Liedes ist der Lichtblick stärker als die Asche. Hoffnung auf Zukunft! Mag mir der Tunnel noch so endlos erscheinen...
Über sieben Brücken musst du gehen
Sieben dunkle Jahre überstehn
Sieben Mal wirst du die Asche sein
Aber einmal auch der helle Schein
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CD: Über sieben Brücken, Karat 2, BMG, Amiga, LC 0055
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