Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20JAN2026
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Ich habe beim Kochen eine Kleinigkeit versalzen. Nichts Dramatisches – aber ich habe mich geärgert. Über mich und dass ich unachtsam war. Und auch über diesen Moment, in dem ich dachte: „Jetzt ist alles ruiniert.“ Mein Mann probierte das Essen und sagte ganz ruhig: „Da fehlt ein bisschen Wasser. Dann passt’s wieder.“

Ich musste lachen. So einfach? Ein Schluck Wasser – und der Fehler löst sich auf? Ich habe es probiert. Und tatsächlich: Das Essen war wieder gut.

Seit diesem Abend denke ich öfter darüber nach: Wie oft halte ich mich an Fehlern fest, die sich eigentlich leicht ausgleichen lassen. Ich mache aus einem kleinen Missgeschick gleich ein Drama. Ich denke: „Das hätte nicht passieren dürfen.“ Und in mir wächst die Schwere, obwohl die Lösung manchmal ganz simpel wäre.

In Gesprächen mit Freundinnen merke ich, dass es ihnen ähnlich geht. Wir sind oft gnadenlos mit uns selbst. Wir vergeben anderen schneller als uns. Und wir erwarten eine Perfektion, die kein Mensch leisten kann. Wo kommt diese Strenge her? Und wem nützt sie eigentlich?

Ich finde in der Bibel ein Gegenbild. Da geht es nicht um Perfektion, sondern um Barmherzigkeit. Gott schaut die Menschen freundlich an. Nicht streng. Nicht mit erhobenem Zeigefinger. Sondern mit einem Herzen, das weiß: Fehler gehören zum Leben. Und oft bringen sie uns sogar weiter. Wir lernen daraus. Wir wachsen daran. Und wir merken, wo wir Unterstützung brauchen.

Ich habe schon oft erlebt, dass etwas schiefgeht und später eine gute Wendung bekommt. Ein misslungenes Gespräch öffnet die Tür für ein ehrliches, klärendes Gespräch danach. Eine Enttäuschung macht mutig, Neues zu probieren. Ein Fehler im Alltag zeigt mir, dass ich mich nicht überfordern sollte.

Ich glaube, Gott erwartet nicht, dass wir fehlerfrei sind. Ich glaube, er wünscht sich Menschen, die freundlich mit sich selbst sind. Die sich nicht klein machen, sondern verstehen, dass jeder Tag ein neuer Anfang ist.

Seitdem ich das im Blick habe, reagiere ich anders. Wenn bei mir etwas daneben geht, atme ich einmal bewusst aus. Ich frage mich: Was braucht es jetzt, damit es wieder gut wird? Manchmal ist es ein Schritt zurück. Manchmal ein Gespräch. Manchmal ein kleines Gebet. Und manchmal – wie beim Kochen – einfach ein Schluck Wasser.

Ich muss meine Fehler nicht weg reden. Aber ich muss sie auch nicht größer machen als sie sind. Oft reicht ein bisschen mehr Barmherzigkeit – mit anderen und mit mir selbst.

Vielleicht erleben Sie heute auch etwas, das nicht ganz gelingt. Dann denken Sie daran: Es muss nicht perfekt sein. Nur menschlich. Das ist genug.

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