Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

19JAN2026
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Ich stehe beim Bäcker und warte auf meine Brötchen. Vor mir ist eine ältere Frau dran. Sie bestellt ruhig, lächelt freundlich – und als sie geht, sagt die Verkäuferin zu ihr: „Passen Sie gut auf sich auf.“ Ganz selbstverständlich, einfach so. Und die Frau nickt, als hätte sie genau das gebraucht.

Ein kleiner Satz und trotzdem bleibt er bei mir hängen. Vielleicht, weil er nicht belehrend klingt, sondern liebevoll. Vielleicht, weil ich solche Sätze viel zu selten höre.

Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Wir reden jeden Tag so viel: beruflich, privat, übers Handy, in Sprachnachrichten. Aber oft bleibt nichts davon wirklich bei uns. Es sind Worte, die wir schnell sagen und genauso schnell wieder vergessen. Und dann gibt es diese kleinen, einfachen Sätze, die etwas berühren. Nicht weil sie groß klingen, sondern weil sie ehrlich sind.

In meiner Arbeit begegnen mir oft Menschen, die solche Sätze brauchen: Zuspruch. Trost. Ein „Du schaffst das“. Ein „Ich bin da“. Und ich merke, wie schwer es mir manchmal fällt, sowas auszusprechen. Als würde ich mich damit zu weit öffnen. Oder als wäre es peinlich. Dabei ist es eigentlich ganz leicht.

In der Bibel sagt Jesus öfter kurze Sätze wie: „Fürchte dich nicht.“ „Ich bin bei dir.“ „Habe Vertrauen.“ Das sind keine komplizierten theologischen Reden. Das sind Alltagssätze. Warm. Direkt. Kraftvoll. Und sie verändern etwas in meinem Herzen.

Ich glaube, genau das können wir als Menschen auch.

Wenn wir einander ernst nehmen.

Wenn wir hinschauen.

Wenn wir nicht aneinander vorbeihasten.

An dem Tag beim Bäcker habe ich gemerkt: Worte können stützen. Sie können aufrichten. Sie können jemanden wieder ein Stück aufatmen lassen. Und dafür reichen manchmal drei, vier Wörter.

Seitdem versuche ich, bewusster zu sprechen. Ich sage meinen Kindern öfter: „Ich bin stolz auf dich.“ Ich sage Freundinnen: „Meld dich, wenn du jemanden brauchst.“ Ich sage mir selbst: „Es ist okay, wenn du müde bist.“ Worte schaffen Atmosphäre. In Beziehungen. In Familien. In uns selbst.

Vielleicht denken Sie heute auch an einen Satz, den Sie jemandem schenken könnten. Nicht groß, nicht perfekt. Einfach ehrlich.

Denn Worte haben Kraft. Auch die ganz kleinen.

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