SWR1 3vor8

18JAN2026
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Mit Wasser getauft sind viele. Noch immer. Die meisten als Kind. Ich seit 61 Jahren. Aber mit Geist getauft? Das Sonntagsevangelium heute wirft diese Unterscheidung auf. Johannes tauft mit Wasser, Jesus mit heiligem Geist. Was bedeutet diese Unterscheidung? Wörtlich sagt Johannes der Täufer: Er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft[1].

Wer schon einmal bei einer Taufe dabei war, erinnert sich an das Wasser, das der Priester über das Haupt des Taufbewerbers ausgegossen hat. Wasser kann man sehen und jeder versteht, was es bedeutet. Wasser reinigt und erfrischt. Es ist unser Lebenselixier, auf das wir nur für kurze Zeit verzichten können. Wasser ist auch eine gewaltige Macht. Das Volk Israel konnte nur aus Ägypten fliehen, weil Gott sie vor den Flutmassen des Roten Meeres gerettet hat. Christen glauben, dass Gott so jeden rettet, der getauft ist und zu ihm gehört.

Und der Geist, was bedeutet es, mit ihm getauft zu sein? Den Heiligen Geist kann man nicht sehen. Er lässt sich nicht so leicht in ein konkretes Bild fassen wie Wasser. Wir können ihn nicht festhalten, ihn uns zu eigen zu machen. Das geht mit dem Geist Gottes nicht. Und das ist gut und richtig; und typisch für alles, was unmittelbar mit Gott zu tun hat. Denn zu Gott dringt man nur vor, wenn man nicht an Äußerlichkeiten hängen bleibt. Ich verstehe das Bedürfnis. Ich will auch lieber genau sagen können: So ist das mit Gott. Aber ich weiß auch: So geht das nicht. Gott ist immer mehr und größer und anders, als ich mir es ausdenke und wünsche.

Die Kirche lehrt: „Christus selbst tauft.“ Wer die Taufe vornimmt, ist lediglich sein Werkzeug. Also glaube ich, dass ich durch meine Taufe direkt mit Jesus verbunden bin, mit seinem Geist getauft wurde. Und dass es meine lebenslange Aufgabe bleibt, diesen Geist zu suchen und ihm zu folgen. Dazu darf ich nicht an Äußerlichkeiten hängen bleiben. Es kommt nicht in erster Linie auf das richtige „Gesangbuch“ an oder darauf, Vorschriften zu befolgen. Stattdessen muss ich hinter die Fassade schauen. Weil der Geist Jesu auch außerhalb der Kirche zu finden ist – auch bei denen, die ihr den Rücken gekehrt haben. Wo Not gelindert wird, wo der Gewalt ein Ende gemacht wird, wo Verzweifelte getröstet werden, da ist er. Denn: Der Geist weht, wo er will.

 

[1] Johannes 1,33

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43684
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