SWR Kultur Wort zum Tag

17JAN2026
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„In Verbundenheit, Tobias“. Das schreibe ich manchmal sehr bewusst unter eine Kurznachricht. Neulich zum Bespiel an eine Freundin, die an diesem Tag ein wichtiges Vorstellungsgespräch hatte. „Ich denk an dich und wünsche dir ein gutes Gespräch. In Verbundenheit, Tobias.“ Diese vielleicht etwas altmodisch klingende Grußformel habe ich von einem befreundeten Kollegen übernommen, der zufälligerweise auch Tobias heißt. Wir haben uns während der Ausbildungszeit kennengelernt und haben damals entdeckt, dass uns viel mehr verbindet als nur unser gemeinsamer Vorname. Inzwischen sehen wir uns eher selten. Aber die Verbundenheit ist geblieben. Wenn ich diese beiden Worte von ihm lese, dann erinnern sie mich daran. Mir tut das gut, und ich nehme mal an, dass es uns Menschen grundsätzlich guttut, zu spüren, dass wir mit anderen verbunden sind, und was uns verbindet.

Mich fasziniert, dass Verbundenheit Zeit und Raum überwindet. Mit guten Freunden aus der Schulzeit oder dem Studium fühle ich mich bis heute verbunden, auch wenn wir oft Jahre keinen Kontakt mehr haben. Wenn wir uns dann mal begegnen, ist diese Verbundenheit sofort wieder spürbar. Manchmal reicht es auch, dass ich aus irgendeinem Grund an eine Person denke.

Selbst bei Menschen, die inzwischen gestorben sind, fühle ich, dass wir immer noch verbunden sind. Manchmal ist das schön, weil ich dankbar für die gemeinsame Zeit bin, manchmal ist es auch sehr schmerzhaft, weil ich die Person vermisse. Und trotzdem tut es gut.

Ich kann mich sogar mit Menschen verbunden fühlen, die ich gar nicht persönlich kenne. Es reicht, zu merken, dass ich etwas mit ihnen teile: Werte, Interessen, Gedanken, Fragen oder Zweifel. Z.B. entsteht das Gefühl bei mir, wenn ich ein Interview mit ihnen höre oder eine Reportage über sie lese. Tatsächlich müssen sie dazu noch nicht einmal wirklich existieren, sondern können auch eine Romanfigur oder eine Person in einem Film sein.

Mir tut es gut, wenn ich spüre, mit wem ich verbunden bin, und was mich verbindet. Manchmal ist dieses Gefühl einfach da oder stellt sich ganz von selbst ein. Manchmal scheint es aber auch weg zu sein. Es fühlt sich so an, als sei es verloren. In dieser Situation hilft mir, mir Zeit zu nehmen und bewusst zu machen, welche Verbindungen mich jetzt gerade besonders tragen. Und wenn mir dann eine bestimmte Person einfällt, dann kann ich ihr ja eine Kurznachricht schreiben. „Hey, ich habe gerade an dich gedacht. Sollen wir uns mal wieder treffen? In Verbundenheit, Tobias.“

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