SWR Kultur Wort zum Tag
Einmal kurz schütteln, und dann geht es ganz entspannt weiter. Was gerade noch ziemlich gestresst hat, scheint von einem auf den anderen Moment abgehakt zu sein. Unsere Hündin Mary hat das drauf – bewundernswert! Wenn sie z.B. einem anderen Hund begegnet ist und das mit viel Stress verbunden war, dann schüttelt sie ihre Anspannung ab und kann sich ganz gelöst wieder anderen Dingen widmen.
Mir selbst gelingt das nicht immer so gut. Wenn ich in einem Gespräch eine seltsame Reaktion meines Gegenübers wahrnehme und das nicht klären kann, dann beschäftigt mich das noch eine ganze Zeit. Mein Kopf sagt mir, dass ich die Situation eigentlich abhaken könnte, weil sie nicht so gravierend war. Aber dann ploppt sie plötzlich wieder auf. Manchmal verbunden mit unangenehmen Gefühlen, unangenehmer als die Situation selbst. Das nervt mich und stört mich dabei, mich den Dingen zuzuwenden, die eigentlich dran wären.
Vielleicht täte mir da auch mal gut, mich im wahrsten Sinne des Wortes zu schütteln. Mich zu schütteln, um die negativen Empfindungen, die noch hängengeblieben sind, loszuwerden. Es dort zu lassen, wo es passiert ist, anstatt es noch eine ganze Weile mit mir herumzuschleppen. Denn das kostet mich Kraft und Aufmerksamkeit, die dann anderswo fehlt.
Aber geht das, was bei Hunden so erstaunlich gut funktioniert, auch bei uns Menschen? Vermutlich ja, weil unsere Gedanken und Gefühle so eng mit unserm Körper verbunden sind. Wenn ich an etwas Schönes denke, dann beginne ich mich aufzurichten, meine Mundwinkel gehen nach oben, und meine Augen fangen an zu strahlen. Wenn mich etwas ärgert, dann verfinstert sich meine Mine, meine Muskulatur spannt sich an, und Herzschlag und Atmung werden schneller.
Unser Körper reagiert auf das, was im Gehirn geschieht. Aber genauso geht es auch andersrum. Auch der Körper kann Botschaften an das Gehirn senden, zum Beispiel durch Abschütteln. Wenn ich meinen Körper schüttle, dann lockern sich die Muskeln und signalisieren meinem Gehirn: „Entspann dich, lass los, was dich gerade noch beschäftigt hat!“ Schauspieler nutzen diese Technik, um aus ihren Rollen zu schlüpfen und wieder ins eigenes Ich zurückzukehren.
Und auch ich kann das nutzen. Wenn ein schwieriges Gespräch beendet ist, dann kann ich erstmal nichts mehr daran ändern, wie es gelaufen ist. Ich kann mir überlegen, ob es hilfreich ist, es weiter mit mir herumzutragen, oder ob ich mir einen passenden Ort suche, um mich zu schütteln und meinem Kopf damit zu sagen: „Du kannst jetzt loslassen!“.
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