SWR Kultur Wort zum Tag

15JAN2026
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Ich wünsche mir sehr, dass dieses Jahr ein hoffnungsvolles Jahr wird, und ich bin fest entschlossen, etwas dafür zu tun. Ich bin von Natur aus ein zuversichtlicher Mensch und denke, es ist gut, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Allerdings gibt sich die Welt gerade alle Mühe, mich vom Gegenteil zu überzeugen: es herrscht Krieg in Europa, Autokraten bauen ihre Macht aus, das Klima wandelt sich auf bedrohliche Weise und meiner Ansicht nach gefährliche politische Positionen gewinnen an Zuspruch.

Wäre es da nicht realistischer, pessimistisch zu sein und die Hoffnung aufzugeben? Mag sein, aber das halte ich für höchst gefährlich. Ich bin überzeugt, dass es uns Menschen schadet, wenn wir die Hoffnung aufgeben. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass wir ohne Hoffnung auf Dauer nicht überleben können.

Deshalb mag ich das folgende Zitat des Philosophen Ernst Bloch. Er sagt: „Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.“ Wer hofft, so Bloch, sei in das Gelingen verliebt nicht in das Scheitern. Aber wie geht das? Wie kann ich immer wieder neu lernen, zu hoffen.

Mir hilft, mich in schwierigen Situationen darauf zu fokussieren, was trotz allem noch gut ist oder zumindest nicht ganz so schlimm. Und es hilft mir, mir bewusst zu machen, welche Ressourcen und Möglichkeiten ich habe, damit sich die Situation bessert.

In meinen Gesprächen als Seelsorger und Berater erlebe ich, dass sich etwas verändert, wenn meinen Gesprächspartnern gelingt, auch das Gute wieder in den Blick zu nehmen und ein wenig zu spüren, welche positiven Erfahrungen und hilfreichen Fähigkeiten sie besitzen, um selbst wirksam werden zu können.

Es kommt aber auch vor, dass jemand zu niedergeschlagen oder erschöpft ist, um noch hoffen zu können. Dann hoffe ich stellvertretend für diese Person und sage ihr das auch. Dafür sind Menschen oft dankbar, und es könnte sein, dass daraus eines Tages auch wieder eigene Hoffnung wachsen kann.

Als gläubiger Mensch habe ich noch eine größere Hoffnung. Sie trägt mich, und ich glaube und vertraue darauf, dass sie allen Menschen gilt, unabhängig davon, ob sie diese in ihrem Leben gerade spüren können. Sie ist da und ich halte an ihr fest, auch wenn ich nicht so genau sagen kann, worin konkret sie besteht.

Ich wünsche mir sehr, dass 2026 ein hoffnungsvolles Jahr wird und bin fest entschlossen, etwas dafür zu tun. Und ich wünsche mir Menschen an meiner Seite, die mit mir hoffen, die für mich und für andere hoffen, und die nicht aufhören, ins Gelingen verliebt zu sein.

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