SWR3 Gedanken
„Ramazzottius“ – klingt italienisch, nach Sänger oder Kräuterlikör. „Ramazzottius“ ist aber Latein und die wissenschaftliche Bezeichnung für „Bärtierchen“. Diese winzig kleinen Lebewesen leben in Moosen und Flechten und sehen ein bisschen aus wie Gummibärchen – daher auch der Name. Ein völlig neues Bärtierchen wurde im Nationalpark Schwarzwald entdeckt. Es wurde auf den lustigen Namen „Ramazzottius kretschmanni“ getauft – zu Ehren von Winfried Kretschmann, weil er sich, so die Kommission, für Artenschutz und Vielfalt einsetze.
Es ist schon erstaunlich, was das Bärtierchen alles kann. Ein Ranger im Nationalpark hat mir dazu erzählt: „Dieses Tierchen ist der Wahnsinn: Es kann ohne Schutzanzug im Weltall überleben, weil es unglaubliche Temperaturen aushalten kann, indem es sich selbst austrocknet und seine Lebenszeit „einfriert“, um danach wieder weiterzuleben. Und stell dir vor: Es besitzt sogar ein Enzym, das radioaktive Verletzungen heilen kann.“
Ein echtes Naturwunder – das wird mir schnell klar, wie so vieles in Gottes genialer Schöpfung. Und mir wird auch klar, dass es jammerschade wäre, wenn solche Arten aussterben würden - nicht nur weil die Wissenschaft davon profitieren kann. Fast alle Arten – und da zähle ich auch die bei uns so unbeliebten Schnaken oder Zecken dazu - sorgen für ein ökologisches Gleichgewicht. Sie filtern Wasser, bauen Schadstoffe ab, produzieren Sauerstoff, sie bestäuben Blüten oder sind Nahrung für andere wichtige Arten. Und wenn ein Puzzleteilchen fehlt, dann leidet oft das ganze System.
Ein Hoch also auf alles, was da kreucht und fleucht in der Wildnis, auf dass es uns lange erhalten bleibe – auch das Bärtierchen mit dem urkomischen Namen „Ramazzottius kretschmanni“.
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