SWR1 3vor8

11JAN2026
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Ein bisschen Wasser über den Kopf. Mehr passiert eigentlich nicht. Und doch ist es für mich jedes Mal ein ganz besonderer Moment, wenn ich einen Menschen taufe. Ich sehe das glitzernde Wasser im Taufbecken, meistens ist es extra ein bisschen angewärmt. Und ich beobachte die Reaktionen: Da sind die Säuglinge, die meine Hände ganz energisch von sich fernhalten wollen. Sie ahnen wohl, dass gleich etwas Ungewohntes passiert. Und da sind die anderen, die ganz neugierig nach den Tropfen greifen, die im Licht funkeln. Symbolisch lasse ich das Wasser dreimal über den Kopf des Kindes fließen und spreche die uralten Worte: Ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Der Predigttext des heutigen Sonntags erinnert daran, dass auch Jesus sich hat taufen lassen. Nur war er damals kein Säugling mehr. Er war ein erwachsener Mann, bereit loszuziehen und die Menschen für Gottes Welt zu begeistern. Er geht zum Fluss Jordan, zu Johannes. Der ist bekannt dafür, dass er die Menschen zur Umkehr ruft und sie tauft. Aber als Jesus vor ihm steht, zögert Johannes. Erst als Jesus ihn eindringlich bittet, willigt Johannes ein. Er taucht Jesus ganz unter im Jordan und zieht ihn tropfnass wieder herauf– ein kraftvolles Bild für einen Neuanfang. Und als Jesus wieder aus dem Wasser auftaucht, hört er eine Stimme, die ihm sagt: Du bist mein geliebter Sohn.

Damit wird  klar, dass Jesus zu Gott gehört. Dass er bereit ist für seinen Weg. Aber – und das ist das Entscheidende: Noch hat er gar nichts geleistet. Er hat noch keine Kranken geheilt, keine Bergpredigt gehalten und noch nicht am Kreuz gelitten. Es ist noch gar nicht bewiesen, ob er dazu überhaupt in der Lage sein wird. Aber  Gott bekennt sich zu Jesus, noch bevor der bewiesen hat, dass er das Zeug  dazu hat. Gott sagt: „Du bist mein geliebtes Kind“ bevor  Jesus dafür irgendwas Großartiges  getan hat.

Deshalb passt es auch, dass wir Kinder oft ganz am Anfang ihres Lebens taufen. Noch bevor sie irgendetwas tun oder sagen könnten, was sie in den Augen der Welt wertvoll macht. Gott nimmt sie als seine Kinder an, ohne jede Gegenleistung. Wenn ich ein Kind taufe, dann sage ich danach oft einen Satz aus der Bibel, der für mich genau das ausdrückt: Fürchte dich nicht, sagt Gott zu dir, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43672
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