Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

17JAN2026
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Morgens auf dem Weg zur Arbeit passiert es mir regelmäßig: die Schranke ist unten. Ich fahre auf den Bahnübergang zu, die Ampel beginnt zu blinken, und die Schranke senkt sich. Der vor mir hat noch Glück und schafft es rüber. Ich muss stehen bleiben.

10 Minuten warten, dass ein Zug kommt. Manchmal sind es zwei Züge, dann dauert es noch länger. Kostbare Lebenszeit, die ich damit verbringe, auf eine rot-weiße Schranke zu schauen. Im wahrsten Sinne ausgebremst und eingeschränkt. 

Mich ärgert das. Jedes Mal. Ich ärgere mich, dass ich die Zeiten der Züge nicht im Kopf habe. Ärgere mich, dass ich nicht den Umweg genommen habe ohne Schranke. Ärgere mich vor allen Dingen darüber, dass es mich jedes Mal ärgert.

Ich könnte die 10 Minuten ja auch dafür nutzen, an irgendwas Schönes zu denken, oder mich im Geiste auf meinen nächsten Termin vorbereiten. Stattdessen ärgere ich mich und frage mich warum?

Vielleicht, weil mir die Schranke ein Gefühl gibt, dass ich anderswo her kenne. Das Gefühl, ausgebremst zu werden, zur Untätigkeit gezwungen.

Die Schranke wird nach 10 Minuten wieder aufgehen, und ich kann weiterfahren. Aber es gibt Situationen, da weiß ich nicht, ob sich Schranken öffnen und ob der Weg weitergeht. Da muss ich abwarten, bis etwas passiert. Kann selbst nichts tun, habe es einfach nicht in der Hand.

Was mir tatsächlich manchmal hilft in solchen Momenten, ist: mit jemand in Kontakt zu treten. Manchmal rufe ich meine Frau kurz an, um ihr zu sagen, dass ich mal wieder an der Schranke stehe, und wir könnten gemeinsam darüber lachen.

Manchmal nutze ich auch die Zeit und bete. Nicht mit „lieber Gott, bitte mach diese Schranke aufgeht...“ Das funktioniert nicht. Für mich ist es mehr so ein: „Hey, schau mal, was mit mir los ist! Es läuft grad echt nicht gut. Ich komm nicht mehr weiter!“

Noch nie habe ich erlebt, dass eine Stimme vom Himmel kommt und antwortet. Aber oft habe ich mich in dem Moment nicht mehr so allein gefühlt. Es hilft mir, wenn ich meine Situation mit jemand anderem teilen kann. Auch wenn alle Schranken unten sind und alle Wege versperrt. Das geht immer.

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