Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
An Weihnachten habe ich eine neue Uhr geschenkt bekommen. So eine digitale, die auch Bewegungen misst und Schritte zählt. Genau so eine habe ich mir auch gewünscht, denn: Bewegung ist wichtig, aber ich bewege mich einfach nicht genug!
Und wirklich: Seit ich die Uhr habe und genau weiß, welche Strecke ich heute gelaufen bin und wie viele Kalorien ich verbrannt habe - seitdem bewege ich mich mehr.
Laufen, Gehen, Radfahren - die Uhr zeichnet alles auf und am Ende des Tages weiß ich, ob ich meine selbstgesteckten Ziele erreicht habe, oder nicht.
Meine Fitness-Uhr ist eine gute Gegnerin für meinen inneren Schweinehund. Der sagt nämlich gerne: „Es ist grade so schön gemütlich, du willst doch jetzt nicht wirklich rausgehen!“
Doch es gibt auch Tage, da ist es anstrengend mit der Uhr. Da motiviert sie mich nicht, sondern setzt mich unter Druck.
Manchmal gibt es wirklich gute Gründe, warum ich morgens mal nicht laufen gegangen bin und zum Einkaufen nicht das Fahrrad genommen habe - weil ich zu müde war oder weil es in Strömen geregnet hat. Dann gibt mir die Uhr das Gefühl: Du hast dein „Soll“ nicht erfüllt! Du hättest noch mehr tun müssen!
Es bleibt dieses blöde Gefühl, dass ich den Ansprüchen nicht gerecht geworden bin. Darum habe ich angefangen, mit der Uhr zu reden - Nein, nicht laut, sondern leise, in Gedanken.
Wenn die Uhr mir mitteilt, dass ich noch etwas machen müsste, sage ich manchmal: „Danke, dass du mich erinnerst, aber mir reicht das für heute“. Und wenn ich sehr genervt bin, sage ich: „So, jetzt lass mich in Ruhe“ und schalte einfach die Mitteilungsfunktion aus.
Seitdem geht‘s. Seitdem arbeiten wir gut zusammen. An manchen Tagen schaffe ich mein Soll, an manchen nicht, und das ist auch okay. Die Uhr hilft mir. Aber ich bin nicht ihr Angestellter.
In der Bibel heißt es: „Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich“ (1. Korinther 10,23). Das habe ich auch meiner Fitness-Uhr gesagt und sie hat nicht widersprochen.
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