Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Wenn ich morgens aufstehe, ist es draußen noch dunkel. Und wenn ich abends von der Arbeit komme, dann ist es wieder dunkel. Für meinen Körper ist das eine Herausforderung. Und auch für die Seele: Mich macht es so müde, dass das Sonnenlicht fehlt, und irgendwann schlägt das dann auch aufs Gemüt.
Die amerikanische Psychologin Kari Leibowitz wollte wissen, wie die Menschen in Norwegen mit der Dunkelheit umgehen. Denn in Norwegen ist der Winter noch länger als bei uns. Von Mitte November bis Ende Januar gibt es dort kaum Tageslicht. Sie hat herausgefunden, dass die Norweger gute Strategien haben, um mit der dunklen Jahreszeit besser zurechtzukommen. Ich habe mir drei von ihren Tipps gemerkt.
Der erste lautet: Man muss ernst nehmen, dass die dunkle Jahreszeit Kraft kostet. Der Körper verbraucht mehr Energie. Manche Tiere halten ja sogar Winterschlaf. Und auch manchen Menschen tut es gut, sich etwas mehr Schlaf zu gönnen. Es ist okay, einfach mal früher ins Bett zu gehen.
Der zweite Rat lautet: Kopf und Körper müssen die Chance haben, sich auf den Winter einzustellen. Viele Norweger gehen mindestens 20 Minuten am Tag raus, bei jedem Wetter, und auch wenn es dunkel ist. So kann die innere Uhr verstehen, was jahreszeitlich gerade dran ist.
Und der dritte Tipp hat mir besonders gut gefallen: Die Menschen in Norwegen geben sich Mühe, ihr Zuhause schön einzurichten. In Skandinavien gibt es sogar ein Wort dafür: hygge. Es beschreibt eine gemütliche Einrichtung mit sanften Farben, weichen Stoffen und indirektem Licht. Ein Zuhause, das der Seele gut tut.
Was Kari Leibowitz herausgefunden hat, hilft mir. Ich lerne: Es ist keine Schwäche, wenn ich im Winter manchmal müder oder trauriger bin als sonst. Es ist ganz natürlich in dieser Zeit. Und es könnte klug sein, das nicht einfach zu ignorieren. Wir sind schließlich keine Maschinen. Sondern Menschen.
In der Bibel heißt es einmal: „Alles hat seine Zeit“ (Prediger 3) – und dass man das, was die Zeit mit sich bringt, annehmen soll. Ich glaube, jetzt im Winter ist es Zeit, auf die eigenen Kräfte achtzugeben. Und auf das, was die Seele so braucht.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43647