SWR Kultur Lied zum Sonntag
Im heutigen Lied zum Sonntag kann man jemanden hören, der mit melancholischem Ton auf sein Leben zurückschaut. Oder ist es doch eher das Lied eines Sturkopfes, der sein eigenes Ding durchgezogen hat?
In meinen Ohren klingt „My way“ von Frank Sinatra nach einem Menschen, der singt und sich dabei mit dem eigenen Lebensweg versöhnen möchte.
Wer die Geschichte von „My way“ kennt, hört in diesem Lied mehr als die Botschaft: „I did it my way“ – „Ich hab´s auf meine Weise getan“. Dieses Lied steht dafür, dass auch etwas, das anfangs nichts Besonderes war, mit der Zeit zu etwas Großartigem werden kann.
Denn erst schrittweise ist dieses Lied zum absoluten Welthit geworden. Zuerst hat der Komponist Jaques Revaux in den 1960er Jahren die Melodie erschaffen. Die erste Variante mit englischem Text war ein Flop, die zweite Version mit französischem Text wurde in Frankreich dann mittelmäßig erfolgreich. Sie heißt „Comme d´habitude“ und wurde von Claude Francois gesungen:
1) Je me lève et je te bouscule.
Tu ne te réveilles pas comme d'habitude.
Sur toi je remonte le drap,
j´ai peur que tu aies froid comme d'habitude.
Ma main caresse tes cheveux...
„Comme d´habitude“ - ein französisches Chanson mit mittelmäßigem Erfolg. Aber als der junge kanadische Sänger Paul Anka nach Paris kommt und zufällig dieses Lied im Radio hört, hat er sofort die Idee, einen eigenen englischen Text zur Melodie zu schreiben. Er schreibt „My way“, zugeschnitten auf Frank Sinatra, der in der Mitte seines Lebens zurückschaut, melancholisch und versöhnlich, aber auch stolz und mit einer Prise Trotz.
Da heißt es in der zweiten Strophe: „Es gibt schon ein paar Dinge, die ich bereut habe, aber dann auch wieder zu wenige, als dass ich sie erwähnen muss. Ich habe getan, was ich tun musste.“
2) Regrets, I've had a few
But then again, too few to mention
I did what I had to do
And saw it through without exemption.
I planned each charted course;
Each careful step along the byway,
But more, much more than this,
I did it my way.
Ich kann meinen Weg schrittweise finden. Und manches braucht mehrere Anläufe, wie das Lied selbst: Es heißt, Frank Sinatra habe am Anfang mit „My way“ gefremdelt, und doch ist er damit berühmt geworden, schließlich hat er das Lied über tausendmal gesungen. Dieses Lied, das er gar nicht alleine erschaffen hat. Da war Jaques Revaux, dem die Melodie eingefallen ist, da war der Sänger Claude Francois, der es zuerst interpretiert hat, dann Paul Anka, der dem Song den neuen Text verliehen hat. Erst dann hat es Frank Sinatra quasi in Empfang genommen.
„My way“ – Da geht ein Mensch den eigenen Weg, gleichzeitig lässt er sich inspirieren und wird erst zusammen mit anderen schöpferisch.
Wohl dem, der so auf sein Leben zurückschauen kann wie es im Lied heißt: „Ich stellte mich dem Ganzen und ich stand aufrecht, und ich habe es auf meine Art gemacht.“
3) ... and did it my way.
Yes, it was my way.
Quellen: 1) Instrumentalversion, Peter Herbolzheimer SWF-Formation add. strings, My way, M0535943(AMS)
2) „Comme d´habitude“, Claude Francois, M0300410(AMS)
3) „My way“, Frank Sinatra, 50th
Anniversary Edition, Best of France - Vive la France, M0578782(AMS)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43643