SWR Kultur Wort zum Tag
Zwischen den Jahren ist eine seltsame Zeit; und eigentlich ja nur so dahingesagt oder –gedacht – weil ganz genau gesehen ja immer Jahr ist: noch dieses oder schon das nächste Jahr, von einer Sekunde zur anderen. Zwischen den Jahren: das ist also eher nur eine gefühlte Zeit. Weihnachten ist vorbei mit seinen schönen gemütlichen Momenten; der ganze Stress der angeblich ruhigsten Zeit, die Frage, ob Geschenke angekommen sind oder lieber doch umgetauscht werden müssen: das regelt sich gerade. Und die Vorbereitungen für Silvester und Neujahr und eben das ganze 2026 können ja hoffentlich eher ruhig weitergehen…
Ja: es ist eine Zeit wie in einem Dazwischen. In manchen Gegenden hießen die Nächte in dieser Zwischenzeit „Rauhnächte“ – und waren wie ein großes Einfallstor für unheimliche Geister und böse Ereignisse.
Rauhe Nächte: das ist mir eher fremd. Aber das „zwischen den Jahren“ erinnert mich daran, wie die Christenheit eigentlich insgesamt lebt: Seit der Geburt des Jesus-Kindes oder spätestens seit seinen ersten Auftritten dann als Prediger im Heiligen Land gilt eine neue Zeitrechnung – und die zählt weniger in Jahren oder Jahrzehnten. Ich nenne sie „Zwischen den Zeiten“ – und bin da ganz bei dem Jesus, den ich aus der Bibel kenne: „Kehrt um,“ sagt er von Anfang an; „kehrt um, denn das GottesReich ist nah“.
Eine neue Zeit ist angebrochen, heißt das; eine Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden herrschen für alle, in der die Menschen Gottes Liebe erleben und weiterschenken. Blinde sehen, Lahme gehen, Kranke werden gesund: Jesus hat gezeigt, dass diese Neue Welt schon da ist. Und doch hat er sich getäuscht, sagen viele – diese Botschaft hat er ja sogar selbst mit dem Leben bezahlt. Und das stimmt einerseits. Weil ich aber glaube, dass Jesus durch den Tod hindurch in ein Neues Leben gegangen ist, ist die Hoffnung doch noch mal viel stärker, dass es eben mehr gibt als Tod und Verderben aus Hass und Gewalt.
Noch leben wir dazwischen – zwischen Gottes Herrschaft, die schon angebrochen ist – und die doch noch auf sich warten lässt. Alles zu tun, damit die neue Zeit Wirklichkeit wird, schon heute: das ist der Auftrag an die Christinnen und Christen. Jetzt, zwischen den Zeiten – und natürlich auch in diesen Tagen „zwischen den Jahren“.
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