Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Heute feiern Christinnen und Christen das Fest der „Heiligen drei Könige“. Das Matthäusevangelium erzählt, schon bald nach der Geburt Jesu seien Sterndeuter, wohl aus Persien, zur Heiligen Familie nach Bethlehem gekommen. Die Tradition machte daraus die heiligen drei Könige. In der Bibel aber handelt es sich um Gelehrte, Weise, erfahrene Männer, die sich auch in Astronomie und Astrologie auskannten. Solche Wissenschaftler waren damals geachtete Berater an Königs- und Fürstenhöfen.
Und jetzt sind sie bei der Familie Jesu aufgeschlagen. Sie sagen, sie seien einem Stern gefolgt, der sie nach Bethlehem geführt habe. Und sie wollen den neugeborenen König der Juden sehen, Jesus.
Die Geschichte ist voller Rätsel. Warum sollten sich angesehene Wissenschaftler in das Kaff Bethlehem aufmachen, um ein Baby zu suchen? Und was hat es mit dem Stern auf sich?
Wir wissen nicht genau, was die weisen Männer in den Sternen gelesen haben. Aber offenbar war es Grund genug, sich auf die lange Reise zu machen. Und sie haben eine Vorstellung, wer dieses Jesus-Baby ist: Der König der Juden. Deshalb bringen sie auch königliche Geschenke mit. Und als sie Jesus finden, verehren sie ihn, als König, ja sogar als Gott.
Viele halten diese Geschichte für eine Legende, andere Bibelwissenschaftler sind vorsichtiger und sehen einen historischen Kern. Mich fasziniert an dieser Geschichte, dass da eine Gruppe gebildeter, angesehener Männer Jesus aufsucht. Nüchterne Wissenschaftler, die einen Ruf zu verlieren haben und deshalb wahrscheinlich eher zur Vorsicht neigen, wenn es um fantastische Nachrichten geht.
Auch heute bekennen sich viele Frauen und Männer aus der Wissenschaft zu Jesus Christus. Physikerinnen und Astronomen, Medizinerinnen und Chemiker – die Liste ist lang. Sie sind für mich ein Argument gegen den gern beschworenen Gegensatz von Vernunft und Glaube, von Wissenschaft und Religion. Und sie haben ein allererstes Vorbild in den klugen Männern aus Persien, die ihre Wissenschaft zu Jesus führte.
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