Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Jona – das ist ein beliebter Vorname, eine Stadt in der Schweiz und auch die Hauptfigur in einer biblischen Kurzgeschichte. Ganz kurz gefasst geht die Geschichte so: Jona bekommt von Gott einen Auftrag: er soll in die gottlose Stadt Ninive gehen und den Einwohnern Gottes Strafe androhen, falls sie nicht ihr Leben ändern und sich bessern. Ninive ist für damalige Verhältnisse riesig. Heute würde man sagen, dort regieren das Geld und die Lust. Prunk und Prostituierte, Glückspieler und Kneipen.
Jona hat auf diese heikle Mission nicht die geringste Lust. Ihm liegt nicht viel an Ninive. Er sagt sich: „Das auserwählte Volk ist doch Israel. Sollen die sündigen Leute aus Ninive doch ruhig untergehen.“ Jona verweigert sich, versteckt sich, ändert dann aber seine Meinung und kommt nach langem Hin und Her schließlich in der Metropole an. Er predigt dort von Gottes drohendem Strafgericht und ruft dazu auf umzukehren und sich zu bessern. Und siehe da: Die Leute aus Ninive ändern tatsächlich ihr Leben, sie besinnen sich auf Tugend und Moral. Und Gott verschont die Stadt.
Jona freut sich aber keineswegs. Im Gegenteil: er hadert schon wieder mit Gott. Erstens: dieser ewige Großmut, warum muss Gott nur immer so barmherzig sein! Und zweitens: Jetzt steht Jona selbst als Dummer da. Denn alle Drohungen, die er so bildreich beschrieben hat, stellen sich als Schall und Rauch heraus.
Jona sitzt also in der brütenden Hitze vor den Toren der Stadt und schmollt. Und jetzt zeigt sich die Bibel wieder einmal von ihrer hintersinnigen Seite: Gott lässt über ihm einen Strauch wachsen, der ihm Schatten spendet. Jona freut sich über das Geschenk. Doch am nächsten Tag lässt Gott die Pflanze wieder verdorren und schickt dazu einen mörderisch heißen Ostwind. Jona ist außer sich, aber das kennen wir ja schon von ihm.
Dann ertönt Gottes Stimme: „Jona, der Strauch ist über Nacht gewachsen und auch über Nacht wieder eingegangen. Du hast nicht einen Finger für ihn krumm gemacht und jetzt tut er dir leid. Mir aber sollte es nicht leidtun um Ninive, die große Stadt, in der mehr als 120.000 Menschen leben?“
Die Jona-Geschichte will zeigen, dass Gott sich weder berechnen, noch für eine Sache einspannen lässt. Das hat der Prophet bitter zu spüren bekommen. Wäre es nach Jona gegangen, dann hätte Gott sich als harter Hund zeigen sollen, und er selbst wäre als starker Prophet dagestanden. Aber Gott handelt nach seinen eigenen Grundsätzen: Wer sich ihm zuwendet, der hat nichts zu verlieren.
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