SWR Kultur Wort zum Tag
Guten Morgen – oder besser „Happy Birthday“ und „Herzlichen Glückwunsch“. Das neue Jahr ist auf der Welt. Erst wenige Stunden alt. Und es hat noch 365 Tage Zeit, zu zeigen, was in ihm steckt. Aber das frage ich mich schon heute: Wie entwickelt sich wohl dieses Jahr? Es kann ein friedliches Jahr werden. Den Krieg in der Ukraine beenden. Ein paar unverhoffte Schritte der Aussöhnung im Gaza-Streifen gehen. Den Konflikt zwischen den USA und Venezuela beilegen. Es kann auch ein Jahr der Klimarekorde werden. Das wärmste, das trockenste, das stürmischste Jahr. Rekorde, die niemand braucht.
Aber auch ganz persönlich frage ich mich, was das neue Jahr für mich bringt. Wird es ein Jahr voller schöner Begegnungen, neuer Erfahrungen, verbringe ich eine gute Zeit mit der Familie oder Freunden? Ist es vielleicht mein letztes Jahr? Oder das erste von vielen weiteren guten Jahren?
Vor wenigen Tagen habe ich schon einmal Geburtstag gefeiert. An Weihnachten, Die Geburt Jesu. Mich fasziniert diese Geburt immer wieder, weil jede Geburt ein Versprechen ist. Das Versprechen, dass Leben neu beginnt. Das Versprechen, dass alles möglich ist. Das Versprechen: Wir alle haben eine Zukunft. Bei einer Geburt liegt das Leben vor einem, wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Und füllt sich erst langsam und nach und nach.
Auch beim neuen Jahr ist das der Fall. Ich weiß nicht, wie sich dieses Jahr entwickelt. So wie ich nicht weiß, was aus einem neugeborenen Kind wird. Ich kann aber das Jahr begrüßen, wie ein Kind nach der Geburt: Mit offenen Armen kann ich das Jahr annehmen. Ihm Vorschusslorbeeren einräumen. Ihm eine Chance geben. Denn eines ist sicher: Dieses Jahr wird mit jeder Sekunde auf mich zukommen. Ich kann gar nichts daran ändern. Deshalb kommt es – auch – auf meine Haltung an. Meine heißt: Sei willkommen, 2026, ich bin gespannt auf dich und was aus dir wird.
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