SWR Kultur Wort zum Tag

14JAN2026
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Immer noch zählen wir unsere Jahre nach Christi Geburt, auch 2026. Gewiss: Viele sagen heutzutage lieber „nach der Zeitenwende“ - aber das trifft ja den Punkt nicht minder. Besonders in Zeiten, wo wir uns dringend die Änderung der Verhältnisse zum Besseren wünschen, und alle spüren, dass es so nicht weiter gehen kann. Die ersehnte Zeitenwende vom Auftreten Jesu Christi her zu datieren, ist eine zweifellos mutige Geschichte, keineswegs selbstverständlich und auch für das jetzt begonnene Jahr von größter Bedeutung. Heißt das doch, dass die letzten 2000 Jahre trotz allem Mist auch sehr viel Gold ans Licht gebracht haben – und nicht nur die. Das Dasein von Anfang an ist ein Gesamtkunstwerk voller Segen, nie dankbar genug zu bestaunen und zu würdigen. In der Zeitrechnung nach Christi Geburt liegt auch ein Versprechen und damit eine Hoffnung: dieser Jesus mit seinem Gott ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Es gibt keine gottlose Zeit mehr, täglich lässt sich neu anfangen in seinem Namen. „Wenn Gott für uns, wer ist dann noch gegen uns?“ fragte schon der Apostel Paulus mit Recht. (Röm 8,31) Diese Gewissheit ist mit dem Namen Jesus Christus verbunden. Sein Geburtstag ist nicht nur ein einmaliger Glücksfall, sondern eine unerschöpfliche Ressource zum Jahreswechsel und zum täglichen Leben.

Jochen Klepper hat recht mit seinem Lied: „Die Menschenjahre dieser Erde sind alle nur ein tiefes Bild, dass uns dein heilges ‚Es werde‘ am Anfang aller Zeit enthüllt. Allein in diesem Schöpfungswort besteht, was Menschen tun, noch fort. / Wir wissen nicht den Sinn, das Ende. Doch der Beginn ist offenbar. Nichts ist, was nicht in deine Hände am ersten Tag beschlossen war, und leben wir vom Ursprung her, bedrückt uns keine Zukunft mehr.“* Ja, von der Geburt her leben, von unserer eigenen und von der Jesu Christi. Ist doch damit die Zusage verbunden, dass wir selbst neu geboren werden: unser wahres Selbst kommt ans Licht und der Weltfrieden wird sichtbarer. „Nach Christi Geburt“ ist eben nicht nur eine Zeitansage, es ist ein Lebensprogramm: endlich in Christus zur Welt kommen, endlich wohlauf und in Ordnung sein. Er ist ja längst gekommen, sonst wären wir nicht und nichts. In Kleppers Lied steht dazu der jubelnde Dank: „Und was du schickst, ob Glück, ob Angst, / zeigt stets, wie du nach uns verlangst.“

 

* Liedgedicht „Der Herr ist nahe“, in Jochen Klepper: Das Ziel der Zeit. Die gesammelten Gedichte, Neustadt an der Orla 2013, 87f

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