Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01JAN2026
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Und ein gutes, gesegnetes Jahr 2026! Ich wünsch‘s Ihnen – und mir - von ganzem Herzen, aber… Na ja, vielleicht sollte ich das nicht schon so früh am Morgen aussprechen, und das Jahr hat ja kaum angefangen, aber – eigentlich weiß ich genau, dass es kein besonders gutes werden wird. Ich meine: es wird ein ganz normales Jahr werden, irgendwann werden die Nachrichten vom ersten Unglück oder der ersten Katastrophe 2026 berichten. Das neue Jahr wird nicht irgendwie besser als die davor. Und – ganz normal – gibt es die, die sich auf etwas freuen und vielleicht etwas Besonderes geplant haben – und es gibt die, die schwierige Zeiten auf sich zukommen sehen.

Ich wünsche Ihnen und mir natürlich trotzdem ein gutes neues Jahr. Aber – sollte es das doch nicht werden – kann es trotzdem gesegnet sein? Und was heißt das eigentlich?

Ich habe mich das vor drei Jahren gefragt schon gefragt: als abzusehen war, dass mein Vater bald sterben würde. Und schon in der dritten Januarwoche ist er dann auch gestorben. Davor, als es ihm noch besser ging, da hat mein Vater die Weihnachtszeit geliebt und auch Silvester und Neujahr. Er war fröhlich, aber auch nachdenklich in dieser Zeit.

Und so habe ich am Morgen nach seinem Tod eine kleine Karte auf dem Schreibtisch meines Vaters gefunden, mit einem Gedicht zu Neujahr. Es stammt von Eduard Mörike. Genauer gesagt ist es ein Gebet, und da heißt es:

In Ihm sei’s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!

Am Morgen nach dem Tod meines Vaters, da habe ich die Karte mit diesen Zeilen von seinem Schreibtisch genommen, bin raus in den kalten Januarmorgen, bin gelaufen und habe sie immer wieder laut gelesen: In dir Gott, sei’s begonnen, was jetzt neues kommt - was auf mich zukommt… sei es nun schwer oder leicht.

Seither begleiten mich diese Zeilen am Beginn eines jeden neuen Jahres. Natürlich auch heute, und ich bitte Gott um seinen Segen. Und dass er alles, was vor uns liegt, in seiner Hand behält. Wie in jedem anderen Jahr auch wird es darin Höhen und Tiefen geben, das Schwere und das Leichte. Aber was auch immer es bringen mag:

Herr, dir in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt.

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