Begegnungen

25DEZ2025
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Sarah Vecera Bildquelle: Lara Diederich

Peter Annweiler trifft Sarah Vecera

Teil 1: Krippe kultursensibel

Am Bildschirm bin ich mit Sarah Vecera verabredet. Eine Frau Anfang 40 - dunkler Teint, dunkle Haare - lächelt mich an und ich erfahre gleich als erstes von ihr: Schon als Kind hat sie an Weihnachten gespürt, wie ihr Aussehen auf andere wirkt. 

Beim Krippenspiel durfte ich häufig die Maria spielen, weil gesagt worden ist, dass ich der Maria vermutlich am ähnlichsten gesehen habe bei allen Kindern, die sonst so im Kindergottesdienst waren und eben blonde Haare hatten und keine internationale Familiengeschichte hatten. Und das war vor allem schön, weil ich mich sonst in der Kirche sehr wenig repräsentiert gefühlt habe. Denn Kinder und Menschen, die so aussahen wie ich, die habe ich vor allem auf Spendenplakaten gesehen, vornehmlich zu Weihnachten.

… und das war merkwürdig für das Kind mit dunkler Hautfarbe in seiner ganz normalen Ruhrpott-Realität: Sarah Vecera ist in Oberhausen geboren und lebt bis heute im Ruhrgebiet. Ihr Vater stammt aus Pakistan, sie hat eine internationale Familiengeschichte. Naheliegend also, dass Sarah Vecera kultursensibel ist. Die studierte Theologin ist heute Referentin für Globales Lernen bei der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal. Mit diesem Blick fallen ihr gerade zu Weihnachten viele Details auf.

In vielen deutschen Krippen ist Jesus ja eher so ein rosa, europäisches Baby meist auch mit blonden Locken und historisch gesehen, würde ich halt sagen, kam Jesus aus dem Nahen Osten und sah vermutlich nicht so westeuropäisch aus, wie in den meisten Krippen. 

Ja, denke ich: Das ist wohl auch gar nicht zu vermeiden: Dass unsere kulturelle Prägung auch unsere historischen Jesusbilder prägt. In Bildern, Krippen und Liedern geschieht das, eben inklusive Haut und Haaren. Vom „holden Knaben im lockigen Haar“ singe ich mit meinem Mehrheitsblick an Weihnachten ja ganz selbstverständlich und gewohnt. Ich finde das auch ganz in Ordnung. Und deshalb bin ich neugierig, wie das für Sarah Vercera ist.

Ich muss gestehen, ich habe sie mir auch immer blond vorgestellt, die Haare, aber dem ist ja gar nicht so. Und ich kann eigentlich mit dieser Zeile ganz gut leben, weil ein holder Knabe kann auch dunkle Locken haben. Und so stelle ich ihn mir heute vor.

Da wirbt Sarah Vecera für einen Blick, der empfänglich ist für die Perspektiven von Minderheiten und Menschen am Rand und fragt gleichzeitig, wie unsere mitteleuropäische Perspektive eigentlich entstanden ist. Und darüber hat sie ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Wie ist Jesus weiß geworden?“

Wenn ich die Frage stelle, wie ist Jesus weiß geworden, dann geht es mir darum, dass Menschen ein Aha-Erlebnis haben. Und wenn wir dann ins Gespräch kommen, ohne Schuld und Scham auch eine Rolle spielen zu lassen, sondern uns selbst reflektieren und sagen, Mensch, das ist was, da habe ich mir nie Gedanken drüber gemacht.

Bei mir hat das schon mal genau so funktioniert.

 

Teil 2: Weihnachten weltweit.

Als Theologin beim Wuppertaler Missionswerk ist sie sensibel für die Vorstellungen geworden, die wir uns von Jesus machen – und das wirkt sich für die Mutter von zwei Kindern auch zu Hause aus. Etwa, wenn es darum geht, welche Hautfarbe das Krippenkind hat.  

Wir haben sogar drei Krippen zu Hause. Meine Kinder, die spielen gerne da auch damit. Wir haben eine schlichte Holzkrippe. Da gibt es eigentlich gar keine Hautfarben. Dann haben wir eine aus Tansania aus Bananenblättern. Und wir haben eine Spielzeugkrippe, in der hat Jesus eher so meinen Hautton. Also sieht eher braun aus und nicht weiß von der Hautfarbe her.

Über die eigene Lebensgeschichte ist Sarah Veceras Buch „Wie ist Jesus weiß geworden?“ entstanden. Darin macht sie stark, dass alle Menschen Gottes Ebenbild sind und plädiert leidenschaftlich für eine weltweite Kirche und eine vielfältige Gesellschaft. Bitter, wenn sie dann bei Lesungen und Vorträgen die Erfahrung machen muss,

dass durch meine Öffentlichkeit sich mir viele Menschen anvertrauen, die internationale Familiengeschichten haben, Migrationshintergrund haben und viele von diesen Menschen mittlerweile einen Plan B mittlerweile haben, weil sie Angst haben, weil sie nicht wissen, was in diesem Land passieren wird. Und sie sich überlegen, wo können wir leben, wenn wir nicht mehr in Deutschland leben können? Und das ist für mich wirklich erschütternd.

Wie beklemmend, wenn immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund in Angst und Sorge um ihre Zukunft leben. Sie brauchen Verbündete – und dazu zählen besonders die Kirchen mit der Weihnachtsbotschaft:

Jedenfalls wäre mein Wunsch in diesen Zeiten gar nicht so sehr darauf angelegt, Jesus nicht länger weiß zu malen, sondern eine starke Kirche in einer Zeit zu sein, die eine Botschaft hat, die sich hinter Menschen stellt, die in Bedrängnis kommen, sich denen zuwendet, die ausgegrenzt werden, die Angst haben und die Zuflucht suchen.

Das ist die Botschaft von Weihnachten und die bleibt weit über die Feiertage hinaus aktuell. Gerade heute ist deshalb wichtig, was Sarah Vecera so formuliert:

Für mich ist die Mitte von Weihnachten die radikale Hoffnung und Gerechtigkeit, die wir, glaube ich, in diesen Zeiten auch ganz gut brauchen. Also es ist schön, Weihnachten zu feiern in einer Welt, die häufig sehr hoffnungslos uns vorkommt und das ja auch an vielen politischen Punkten auch ist. Gott kommt klein und verletzlich, bringt Frieden und stellt die Verhältnisse dieser Welt auch erst mal auf den Kopf. Und das finde ich sehr hoffnungsvoll.

Buchtipp:

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43567
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