Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
In Ingelheim haben wir einen Bismarckturm. Er steht weit sichtbar über der Stadt auf dem Westerberg. Gebaut wurde er um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Damals hat es im ganzen Land einen regelrechten Bau-Boom an Bismarcktürmen gegeben. Die Idee war, dass diese Türme auf allen Hügeln Deutschlands stehen sollen. Als schon von Weitem sichtbare Leuchtfeuer für das durch Bismarck erstarkte und vereinte Deutschland.
Heute wirken die wuchtigen Türme wie seltsame aus der Zeit gefallene Monumente.
In der Advents- und Weihnachtszeit wird der Ingelheimer Bismarckturm seit einigen Jahren wirklich zu einem Leuchtfeuer, aber nicht „zu Bismarcks Ehr“, wie es noch außen an seiner Mauer steht. Der Turm selbst wird rot angestrahlt und über der Kuppel leuchten viele kleine Lämpchen als eine große weiße Flamme. So wird der 30 Meter hohe Turm zu einer riesigen Weihnachtskerze, der sogenannten „Ingelummer Kerz“.
Heute am letzten Tag des alten Jahres recken wir die Hälse, heben die Köpfe und halten Ausschau. Was wird auf uns zukommen? Wie sind die Aussichten? Wie wird es werden, das neue Jahr 2026?
Wenn ich den Kopf hebe und die riesige Weihnachtskerze über unserer Stadt im Dunkeln leuchten sehe, dann verändert sich etwas in mir. Ich spüre, wie das Licht dieser Kerze in mich hineinstrahlt. Und mit dem Licht kommt die Freude:
-Dass diese Kerze jetzt da oben für mich leuchtet.
-Dass es da über allem ein helles Licht gibt und dafür sorgt, dass der Ausblick nicht düster bleibt.
Die Bismarckturmkerze bestärkt mich darin, dass ich mich auf etwas freuen kann. Dass ich auch im neuen Jahr auf Gutes hoffen kann. Dass Gott nicht nur an Weihnachten da war. Sondern dass das Licht von Weihnachten bleibt. Und mitgeht. In mein neues Jahr. Als Leuchtfeuer.
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