SWR Kultur Lied zum Sonntag
Die Engel dürfen an Weihnachten nicht fehlen. Erst durch sie wird klar, wer da in der Krippe im Stall von Bethlehem liegt: Gottes Sohn. So singen sie: „Gloria in excelsis Deo“ - „Ehre sei Gott in der Höhe“. Kein Wunder, dass ihr Gloria in vielen Weihnachtsliedern erklingt:
An Weihnachten öffnet sich der der Himmel und Gott sagt allen Menschen guten Willens seinen Frieden zu. Seinen Shalom. Ein Frieden, der alle und alles miteinander verbindet. Gott und die Menschen, die Menschen untereinander – ja die ganze Schöpfung ist dann im Einklang.
Das Gloria der Engel bleibt nicht auf Weihnachten begrenzt. Es begleitet uns weiter durch das ganze Jahr, nämlich im Gloriagebet, das zum Eröffnungsteil der Messe gehört. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen seiner Gnade.“ Mit den Worten der Engel loben und preisen die Gläubigen ihren Gott. Bis auf die Adventszeit - hier wird das Gloria bewusst ausgesetzt, und es erklingt dann in den weihnachtlichen Gottesdiensten umso festlicher, wie zum Beispiel in der bekannten h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach:
Bach hat viele seiner Werke mit der Widmung „soli Deo gloria“ unterschrieben: Allein Gott sei Ehre. Und in diesem Gloria ist das zu spüren, wenn Bach alles erklingen lässt, was Sänger und Orchester zu bieten haben, und die Sängerinnen und Trompeten bis in die höchsten Höhen steigen. So lässt uns Bach die Größe Gottes erahnen.
Der Gloria-Text der Messe ist wie ein Echo auf das Lied der Engel. Er wurde zu einem Hymnus erweitert, zu einem Lobpreis auf Gott. „Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an“ – so heißt es da. Als der Hymnus im 3. Jahrhundert. entstand, galten solche Rufe dem römischen Kaiser, der sich als siegreichen Herrscher feiern ließ. Für die Christen lag der wahre König und Herrscher der Welt hingegen in Windeln gewickelt in einer Krippe. Ausgesetzt und verwundbar. Ihm ging es nicht um die Macht, sondern er wollte den Menschen den Frieden bringen.
Und so komponiert Bach nach der fulminanten Eröffnung in einer ganz anderen Farbe und Stimmung das „et in terra pax“ - „und auf Erden Frieden“. Es beginnt leise, mit tiefen Stimmen, das Orchester begleitet nur. Eher wie eine flehentliche Bitte als eine selbstbewusste Ansage.
Es scheint, als läge der göttliche Friede beim Kind in der Krippe, scheinbar schwach und verletzlich. Doch er ist auf die Welt gekommen und er wächst unter allen Menschen guten Willens.
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