SWR1 3vor8
Woran merke ich, dass etwas ganz und gar Neues beginnt? Ein neuer Lebensabschnitt. Eine neue Zeit. Selten geschieht sowas abrupt und schlagartig. Viel öfter wird uns die Veränderung erst im Rückblick klar. Oft als ein diffuses Gefühl, das sich dann aber immer mehr auch in äußeren Zeichen manifestiert. Dass sich körperlich etwas verändert, merke ich vielleicht daran, dass ich Treppen nur noch mühsam hochkomme, die ich vor ein paar Jahren noch locker genommen habe. Dass sich Lebensgewohnheiten ändern, Menschen anders konsumieren. Daran, dass vertraute Läden oder Lieblingslokale, die mich jahrelang begleitet haben, aus dem Stadtbild verschwinden.
„Woran merke ich, dass etwas Neues beginnt?“ Die Frage stellt auch ein Text, der heute in den katholischen Kirchen gelesen wird. Der Täufer Johannes, der Jesus einst getauft hatte, sitzt nun im Gefängnis und schickt seine Anhänger zu Jesus. Sie fragen ihn: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Jesus antwortet ihnen aber nicht mit Ja oder Nein. Er fordert sie stattdessen auf, Augen und Ohren aufzumachen. Wahrzunehmen, was sie sehen und hören. Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören. Macht euch selbst euren Reim darauf, will er ihnen sagen. Dann werdet ihr merken, dass etwas Neues angebrochen ist. Gottes neue Welt.
Die meisten von uns bemerken Veränderungen tatsächlich erst im Nachhinein. Und manche wollen sie vielleicht auch gar nicht wahrhaben. Tun alles dafür, dass es so bleibt, wie es ist. Aber immer wieder in der Geschichte hat es hellsichtige Leute gegeben, die Veränderungen früh gespürt haben. Die ihren Mitmenschen gesagt haben: Macht eure Augen und Ohren auf. Schaut hin. Ihr müsst etwas tun, weil die Zeiten sich ändern. Die Bibel hat solche hellsichtigen Menschen Propheten genannt. Leute wie Jesaja und Jeremia, Ezechiel und Amos. Und auch der Täufer Johannes. Er hat geahnt, was mit Jesus und seiner Botschaft Neues beginnen könnte. Hat seine Landsleute aufgefordert, sich darauf einzulassen.
Propheten gibt es noch immer. Menschen, die Dinge klarer gesehen und gewarnt haben. Vor dem Angriffskrieg etwa, mit dem Russland die Ukraine überzieht. Oder vor den dramatischen Folgen, die ein massiver Klimawandel für die Menschheit hat. Den meisten von ihnen ist es letztlich ergangen wie den Propheten, von denen die Bibel berichtet. Man nimmt sie vielleicht wahr, aber nicht sonderlich ernst. Und doch: Es lohnt sich, auf sie zu hören.
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