SWR3 Gedanken

19DEZ2025
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„Du bist so was von aggressiv!“ Vor ein paar Monaten hat meine Frau mir das ein paar Mal vorgehalten. Ich bin jedes Mal zusammengezuckt. Selbst bemerkt hatte ich das gar nicht. Aber sie hatte Recht. Wenn ich mir die Situation dann nochmal vor Augen geführt habe, ist mir selbst aufgefallen, wie scharf und vielleicht unangemessen ich reagiert habe.

Ich war beruflich ziemlich angespannt damals. Äußerlich oft ruhig, aber im Innern unter Druck. Und dann reicht es oft, wenn jemand eine schräge Bemerkung macht. Wenn der Sitznachbar im Zug zu laut Musik hört und so weiter. Ödon von Horváth, ein ungarischer Dichter, hat mal den schönen Satz geschrieben: „Ich bin … eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“ Da ist was dran.

Ich glaube nämlich, dass Gott mich als sozialen, umgänglichen Menschen gewollt und geschaffen hat. Bloß manchmal gelingt mir das einfach nicht. Dann bin ich nicht der, der ich sein sollte. Und manchmal merke ich das erst, wenn andere es mir sagen. Doch wenn ich ehrlich bin, dann spüre ich ja selbst, dass etwas nicht stimmt. Dass ich mich in meiner Haut nicht mehr wohlfühle.

Damals hab ich versucht, den Stress zu verringern. Und konnte plötzlich auch gelassener reagieren, wenn andere mich genervt haben. Ich weiß, das klappt nicht immer. Eins hab ich mir trotzdem vorgenommen: Ich will zumindest versuchen, der zu werden, der ich sein sollte – und der ich selbst auch sein möchte.

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