SWR3 Gedanken

17DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Der Sohn einer Kollegin ist ein Multitalent. Noch Schüler, aber schon jede Menge Projekte im Kopf. Und wenn er was anfängt, macht er es gut. Hat Erfolg damit. Wenn seine Mama davon erzählt, dann spürt man, dass sie stolz auf ihn ist. Bloß offen zeigen mag sie das gar nicht. Ich merke dann immer, dass mir das auch so geht. Denn stolz auf das, was meine Töchter im Leben bisher geschafft haben, bin ich ja auch. Und trotzdem will ich mir das nicht anmerken lassen. Warum eigentlich?

Vielleicht ja, weil Stolz im Christentum ziemlich verpönt ist. Und ja, es gibt da auch diese Eltern, die ich nicht besonders mag. Die ständig davon reden, wie toll und begabt doch ihre Kinder sind. Und die das scheinbar als eigene Leistung verbuchen. Als wären Kinder ein Projekt, in das man viel Zeit und Geld investiert hat, um am Ende selbst damit zu glänzen. So will ich nicht erscheinen. Kinder sind nämlich kein Projekt. Die sind ein himmlisches Geschenk. Mit eigenem Leben, eigenen Zielen und ihrem eigenen Weg. Und den durfte ich ein Stück mit ihnen gehen. Dafür bin ich dankbar. Es war ein großes Glück für mich.

Jetzt gehen sie ihren Weg selbst. Und wie sie das gepackt haben, aus eigener Kraft, das macht mich dann doch ein bisschen stolz. Nicht auf mich, aber auf sie. Und das darf ich ganz bestimmt auch sein.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43519
weiterlesen...