SWR3 Gedanken

16DEZ2025
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Es ist tiefe Nacht auf der Insel Sumatra in Indonesien. Im Dunkel klettern zwei Männer einen hohen Baum hinauf. Einen besonderen Baum. Oben, in seiner Krone, leben wilde Bienen, die einen wunderbaren Honig produzieren. Jetzt, in der Nacht ruhen sie und die Männer können den Honig fast gefahrlos ernten. Aber eben nur fast. Damit die Bienen nicht aufgeschreckt werden und sie stechen, singen die beiden Männer ein berührendes Lied. Sie singen den Bienen ein Schlaflied.

Markus Wolter vom Hilfswerk Misereor hat die schöne Geschichte erzählt. Er lebt und arbeitet gerade in Indonesien und hat die Bienen-Männer begleitet. Für die beiden indonesischen Imker sind aber nicht nur die Bienen Mitgeschöpfe und Partner. Für sie ist der ganze Wald ein spiritueller Ort. Wo die Bäume nicht nur von Bienen, sondern auch von schützenden Geistern bewohnt werden. Geister, die auch Teil von ihnen sind, sagen sie. Mehr noch, ein Teil von uns allen.

Es ist leicht, das als primitiven Aberglauben zu belächeln. Aber vielleicht leben die Bienen-Männer in Indonesien etwas, das uns hier abhandengekommen ist. Ein ganz tiefes Verständnis für Gottes Schöpfung. Die ist für sie nicht irgendwas draußen vor der Tür. Sondern Teil von ihnen selbst. Sie wissen, dass sie nur mit ihr leben können, nicht gegen sie. Wie bei einer großen Familie, in der ich auch nicht jeden toll finden muss. Trotzdem gehören alle dazu. Und ich denke mir: Vielleicht haben die Männer, die den Bienen ein Schlaflied singen, ja viel mehr davon verstanden als ich.

 

https://blog.misereor.de/2025/11/10/ein-schlaflied-fuer-die-bienen/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43518
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