SWR3 Gedanken
Neulich im Urlaub in Budapest bin ich in einem Souvenirgeschäft mal wieder schwach geworden. Da war so eine schöne Matrjoschka, die ich einfach haben musste. Wer nicht weiß, was das ist: Eine Matjroschka ist eine bunt bemalte Holzpuppe. Wenn man sie öffnet, steckt in ihr eine kleinere Puppe, die genau so aussieht, und dann wieder eine kleinere und wieder … bis es irgendwann nicht mehr weitergeht.
Meine Matrjoschka sieht auf den ersten Blick wie jede andere aus. Doch wenn ich eine Puppe nach der anderen öffne, erkennt man den Unterschied: Alle sind völlig verschieden aus. Diese Matrjoschka ist für mich ein Bild für mein Innenleben: Da gibt es auch viele Schichten.
Die äußerste können alle sehen. Doch darunter liegt so viel mehr. Schicht um Schicht stapeln sich übereinander und hüllen mich ein. Keine sieht wie die andere aus. Jede ist ein kleiner Teil von mir.
Für Menschen, denen ich vertraue, öffne ich mich und zeige ihnen einige meiner Schichten. Bei anderen möchte ich das lieber nicht. Und bis ganz nach unten, bis zum Kern, wo es nicht mehr weitergeht, kommt eigentlich niemand. Ich stelle mir vor, dass dort meine Seele ihren Platz hat.
An diesem Ort ist sie sicher und geschützt, nur ich weiß, wie es in ihr aussieht – und Gott. So erzählt die Bibel das: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.*
Gott schaut in mein Innerstes und auf andere Dinge als die, die uns Menschen interessieren. Er sieht durch alle Schichten, die ich übereinandergelegt habe. Vor Gott muss wir nichts erklären oder mich nicht rechtfertigen.
Er sieht mich an und erkennt, was ich wirklich meine.
Niemals würde er mich und meine Seele vor anderen bloßstellen oder verletzen. Wenn er mich anschaut, ist da nur Verstehen und Fürsorge für alles, was in mir steckt. Deshalb bin ich froh, dass Gott das kann: Mir ins Herz schauen.
*1Sam 16,7
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